8. - 14. Januar 2010

Es ist schon lustig, pünktlich zu unserer geplanten Abreisezeit traf trotz Klimaerwärmung der von uns in früheren Jahren so heiß ersehnte Winter ein. Diesmal war es zwar nicht ganz so kalt wie im letzten Winter, aber laut Wetterbericht rückte das Tief 'Daisy' mit großen Schneemengen und Sturmböen vor. Wir ließen uns aber nicht abschrecken, zumal das Womo nagelneue Reifen bekommen hatte.

Am 8. Januar hatten wir fix und fertig gepackt, Post umbestellt, uns von Familie, Freunden und Nachbarn verabschiedet, im Haus alles erledigt, Kühlschrank geleert usw., weshalb wir keine Lust hatten, noch abzuwarten, wie sich das Wetter wohl entwickeln möge. So fuhren wir mittags in Ruhe los. Da laut Wetterbericht gegen Mitternacht starker Schneefall einsetzen sollte, suchten wir abends den komfortablen Stellplatz in Bingen am Rhein auf. Dort hatten wir Ver- und Entsorgung und Strom, so dass wir zur Not auch ein paar Tage hätten bleiben können.

Es schneite dann auch pünktlich nachts tüchtig, aber längst nicht so schlimm wie vorhergesagt. Zur Vorsicht blieben wir noch einen Tag in Bingen und machten einen sehr schönen Winterspaziergang den Rhein entlang.

Daisy hatte dann besonders in Norddeutschland getobt, während wir geräumte Autobahnen vor uns hatten und so mit Übernachtungen auf dem Campingplatz Sulzbachtal in Sulzburg am Schwarzwaldrand und auf einem ruhigen Parkplatz neben der L'Eglise de Brou in Bourg-en-Bresse ( N46°11'55''; E5°14'12'') weiter Richtung Mittelmeer vorrückten. Ab Valence hatten wir endlich die mitteleuropäischen Minustemperaturen überwunden, aber bis Nîmes lag noch eine dichte Schneeschicht. Auf dem ruhigen Wohnmobilstellplatz bei St. Pierre-sur- Mer ( N43°11'22''; E3°11'48'') in der Nähe von Narbonne genossen wir die erste Nacht ohne Heizung direkt am Mittelmeer, bevor wir weiter nach Spanien fuhren.

Die nächste Nacht verbrachten wir in Roses neben dem Badepark Aqua Brava (Tipp von Semmler,Wohnmobilstellplätze Spanien, Mittelmeerküste) und befinden uns heute in San Rafael del Rio südlich vom Ebrodelta bei der Gaststätte Spätzle Fritz (N 40°34' 30''; E 0°23'26''), umgeben von Orangenplantagen. Hier übernachten etliche Deutsche mit Wohnmobilen. Das ist kostenlos, wenn in der Gaststätte gegessen wird, was kein Problem ist, denn das deutsch-spanische Essen hier schmeckt lecker. Leider tobt heute seit Mittag ein sehr starker Wind, so dass das Fahren keinen Spaß machte. So ist noch nicht ganz klar, ob wir morgen weiterfahren können.

15. - 17.Januar 2010

Gegen Morgen ließ der Wind tatsächlich nach und am Himmel war kein Wölkchen mehr zu sehen. Weiter gings durch endlose Orangenplantagen rund um Valencia. Auf dem Euro Camping in Oliva legten wir eine dreitägige Pause ein, um den Winter gründlich zu verabschieden mit Befreiung des Wohnmobils von Salz, Matsch- und Schneedreck, Waschen und Verstauen unserer dicken Pullover, Auspacken der Liegestühle und Kaffeetrinken draußen in der Sonne (+18°C). Ein Genuss!

 

Über Murcia fuhren wir anschließend weiter südwestwärts nach Granada, wo wir wieder auf dem Campingplatz Reina Isabel in La Zubia übernachteten. In Granada mussten wir nämlich die letzte Gastankmöglichkeit vor Marokko nutzen. Die Gastankstelle Repsol (N37.12464; W3.58680) befindet sich in der Umgebung der Ausfahrt 127 an der Autovia A44.

Eine weitere Nacht verbrachten wir am Strand von Torremolinos und am nächsten Tag ging es wieder kurz vor Algeciras zur Agencia Viajes Normandie , links von Carrefour an der Ausfahrt 112 der A7. Das Hin- und Rückfahrtticket von Algeciras nach Ceuta kostete wie im letzten Jahr 230 €. Das Ticket nach Tanger hätte nur 150 € gekostet, obwohl die Strecke länger ist. Bis jetzt wissen wir noch nicht, wehalb das so ist. Leider können wir ja kein Spanisch. Aber man muss ja nicht alles kapieren. Nach erfolgreichem Ticketbesorgen frischten wir noch unsere Vorräte auf, was bei Aldi, Lidl und Carrefour in der Nähe keine Schwierigkeit war. Und auf dem großen Parkgelände bei Lidl übernachteten wir wieder. Das ist kein Geheimtipp von uns, denn mindestens 50 weitere Womos standen ebenfalls dort. 3051 Kilometer waren wir bisher gefahren.

Die Überfahrt nach Afrika verlief wieder völlig problemlos, die Schnellfähre war pünktlich und nicht mal halb voll, die Sicht während der 45-minütigen Fährfahrt diesmal ganz klar und die ganzen Zollformalitäten vom noch spanischen Ceuta nach Marokko dauerten nur ca. 20 Minuten. Unsere EC-Karten funktionierten auch hier . Das war schon ein guter Anfang.

In Tetuan folgten wir einem Internettipp aus dem Sahara-Forum von Edith Kohlbach. Wir gingen zum Wanashop im Supermarkt Marjane und kauften uns ein Modem für unser Laptop (49 €) mit zugehörigen Karten (Monat à 20 €). Und eine nette Verkäuferin installierte uns gleich das Modem. So kommen wir nun mindestens in besiedelteren Gebieten ohne Schwierigkeiten ins Internet und sind nicht auf Hotspots oder Internetcafés angewiesen. Zur Zeit befinden wir uns auf dem Campingplatz Al Boustane in Martil an der Mittelmeerküste und probieren begeistert den Internetstick aus. Im letzten Jahr fanden wir diesen Platz noch ziemlich schrecklich, weil ja erst unsere Marokkotour anfing. Nachdem wir nun aber viele Campingplätze Marokkos kennen, hat sich das relativiert und wir freuen uns, dass wir diesmal hier sogar funktionierende warme Duschen entdeckt haben. Am 22.Januar hatten wir am frühen Nachmittag 22°C in der Sonne! Bis jetzt stimmt alles.

 

23. Januar - 1. Februar 2010

Die nächsten Tage wurde es dann wieder etwas kühler und während unserer Weiterfahrt durch die Ausläufer des Rif-Gebirges nach Westen und dann südwärts nach Moulay Bousselham bekamen wir kräftige Schauer ab. Aber am 2. Tag in Moulay Bousselham klarte es wieder richtig auf, so dass wir einen Großwaschtag einlegen konnten. Die Temperaturen bewegten sich um 15°. Letztes Jahr um Ostern war es hier wesentlich wärmer. Deshalb versbschiedeten wir uns nach wenigen Tagen, um weiter südwärts zu ziehen.

Außerdem wollten wir auch eine Mercedeswerkstatt aufsuchen, weil ein aufleuchtendes Lämpchen am Armaturenbrett uns mitteilte, dass mit den Bremsen etwas nicht in Ordnung sei. Sie funktionierten zwar ganz gut, aber wir wußten ja nicht, was hinter dem Aufleuchten steckte. Über E-Mail hatten wir Kontakt mit Mercedes-Marokko aufgenommen und von ihnen eine Adresse in der Hauptstadt Rabat bekommen. Die Anfahrt klappte ohne Hindernisse, aber dann der Hammer: Diese Werkstatt reparierte nur PKWs! Eigentlich hatten wir vor, nach der Reparatur Rabat zu erkunden, aber jetzt mussten wir weiter zur nächsten Werkstatt, 'nur' 100 km bis Casablanca. Diesmal war es ok, aber nun zu spät für diesen Tag. Wir konnten aber direkt vor dem Firmengelände unter schützendem Auge des Wachdienstes übernachten, mit Termin am nächsten Morgen um 8 Uhr.

Und dann begann ein anfangs recht unangenehmer Tag. Um 11 Uhr fing man mit unserem Auto an. Da es in dieser riesigen Werkstatt keinerlei Sitzgelegenheiten gab, packten wir schließlich unsere Campingstühle aus, lasen und beobachteten das Treiben. Es wimmelte von Mitarbeitern, aber alles ging sehr gemächlich zu. In der Mittagszeit verschwanden alle schlagartig für eineinhalb Stunden. Wir waren allein auf dem Werkstattgelände. Gegen 16 Uhr war alles wieder ok, Bremsklötze und Fühler ausgewechselt. Aber als wir abfahren wollten, war plötzlich ein hinterer Reifen platt. Man meinte, wir sollten zu einer Tankstelle fahren. Nicht mit uns, war doch der Reifen am Morgen völlig in Ordnung gewesen. Nach einer Weile pumpte man ihn wieder auf. Banges Warten - er ist bis heute noch in Ordnung. Da war wohl etwas während der Bremsenreparatur schief gelaufen. Das war noch nicht alles. Als nach dem Aufpumpen die Abdeckklappe über dem Reifen geschlossen wurde, brach ein Scharnier und die Klappe hing halb runter. Glücklicherweise hatte Gerd ein Ersatzscharnier und so war das auch bald erledigt. Theoretisch lauter Kleinigkeiten, aber für den Tag reichte es uns. Aber ehrlich, wir konnten ja froh sein, dass sofort alles gemacht wurde - und mal abgesehen von den Ersatzteilen, haben wir als Arbeitslohn nur 33 € bezahlt. Das ist spottbillig! Da darf es gerne dauern.

An diesem Abend kamen wir nur noch bis zum angenehmen Camping Oasis in Dar-Bouâzza und am nächsten Tag bis Essaouira. Diesmal vermieden wir den dortigen sehr engen Campingplatz und blieben auf Camping Les Oliviers in Ounara 26 km vor Essaouira an der N1. Hier ist es sehr ruhig, es gibt ausgezeichnete Sanitäranlagen und man steht zwischen blühenden Hibiskushecken und Oliven- und Zitronenbäumen.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Grand Taxi (1 € p.P.) nach Essaouira. Diese Stadt ist so schön, dass wir immer wieder dort bummeln könnten. Besonders die Holzarbeiten hatten es uns wieder angetan.

Heute, am 1.Februar, stehen wir auf einem Parkplatz direkt am Hafen von Essaouira zwischen etlichen Wohnmobilen und schauen uns das abendliche Gewusel an. Bei T-Shirtwetter plauderten wir mit Delmenhorster Wohnmobilisten und kauften uns bei den Fischern nebenan frischgefangene Garnelen für das Abendessen. Die werden nur noch kurz in Butter mit Knoblauch gebraten - - lecker!! Die Parkwächter bekamen rund 4 € und so können wir mitten im Geschehen übernachten.

2. - 14. Februar 2010

Die letzten 2 Wochen haben wir total faul verbracht. Wir fuhren die N1 weiter Richtung Agadir durch endlose Arganienhaine. Die Arganien brauchen nur sehr wenig Wasser und gedeihen deshalb in dieser trockenen Gegend noch sehr gut. Nur ist die Ölgewinnung aus den harten Kernen der Früchte eine ziemlich müselige Angelegenheit. Da aber auch inzwischen viele Touristen den herrlich nussigen Geschmack des Arganöls schätzen, scheint sich die Herrstellung zu lohnen. Wir hatten jedenfalls den Eindruck, dass sich die Verkaufsstellen im Vergleich zum letzten Jahr noch erheblich vermehrt haben.

Da wir ein bisschen Abwechslung schätzen, fuhren wir diesmal nicht zum Campingplatz Atlantica Parc vor Taghazoute, sondern 3 km weiter zum neuen Camping Terre d'Ocean. Der liegt sehr schön am Hang und man hat einen tollen Blick auf den Atlantik. Ansonsten gibt es europäischen Komfort (sehr gute Sanitäranlagen, Wasser + Abwasser für jeweils 4 Stellplätze, Laden) und dazu marokkanische Freundlichkeit. Das alles kostet mit Strom rund 7,50 € pro Nacht. Und samstags werden abends beim Lagerfeuer die neuen Gäste mit Tee begrüßt. Vom Platz aus kann man sehr schöne Spaziergänge den Berg entlang machen.

Nach einer Woche hatten wir trotz Ausflug nach Agadir genug von der Ruhe und zogen ein paar Kilometer weiter zum ebenfalls neuen Camping Atlantica d'Imourane, der als Ableger vom Atlantica Parc ebenfalls europäisch komfortabel ist und direkt am Meer liegt, so dass wir wieder unsere geliebten Spaziergänge am Strand machen konnten. In dieser Gegend wimmelt es auch von Surfern. Außerdem kann man mit dem Fahrrad bequem den großen Mittwochssouk im nächsten Dorf erreichen. Bananen gibt es frisch von hier in der Gegend wachsenden Stauden. Allerdings ärgert es schon, wenn man weiß, dass die kleinen Händler, die leckeren, frischen Kuchen und fangfrische Fische direkt ans Wohnmobil bringen, extra eine ordentliche Gebühr bezahlen müssen, damit sie überhaupt den Platz betreten dürfen. So haben wir schon phantastische Fische bekommen, Seezunge und noch besser Seeteufel satt, ausgenommen und bratfertig, das Kilo für ca.5,50 €. Personal gibt es hier jede Menge, zumal Restaurant und Schwimmbad noch im Bau sind. Und wenn Arbeit knapp ist, arbeiten die Leute wie überall auch für Minimallöhne und übernachten auf Baustellen und zwischen den Boilern der Technikräume in den Sanitäranlagen. Das sind schon zwiespältige Gefühle, die einen da beschleichen, einerseits wurden Arbeitsplätze geschaffen, andererseits verdienen sich bestimmte Leute goldene Nasen und bauen bzw. übernehmen immer mehr Campingplätze hier an der Küste. Erst gerade haben wir gehört, dass ein Händler hier auf dem Platz für ein Minilädchen 400 € Miete pro Monat bezahlen muss, während ein Arbeiter schon für 200 € zu bekommen ist.

Hier trafen wir auch Margret und Gerd aus Ennepetal wieder, die wir schon letztes Jahr in Marokko gesehen hatten, und ein nettes Ehepaar aus Hannover, die uns bei der Reparatur eines weiteren Scharnieres einer Stauraumklappe Tipps gaben und halfen. Eine besondere Freude machte uns unser ältester Enkel Jannik. Obwohl er erst ein halbes Jahr zur Schule geht, hat er uns eine ganz süße, vollkommen lautrichtige E-Mail geschrieben. Die kleinen Freuden können manchmal die größten sein.

15. - 22. Februar 2010

Dann wurde es richtig nass: in einer Woche 6 Regentage und viel Wind, allerdings keine Kälte. Den Hauptanteil bekam wohl Madeira ab, die Insel liegt ja nicht so weit entfernt. Aber auch hier hörte man von verschütteten oder überfluteten Straßen. Viele Straßen besitzen statt Brücken asphaltierte Furten durch die Flusstäler. Das ist auch sinnvoll, nur nicht ganz so angenehm, wenn es ganz selten mal so stark regnet wie jetzt und dann Wasserfluten über die Straßen stürzen. Deshalb sind wir gut versorgt auf dem Campingplatz s.o. geblieben, wo man in den Regenpausen immer mal etwas Abwechslung fand. U.a. trafen wir Horst und Hannelore (h.hummel) aus Bad Kreuznach, von denen wir vorher im Saharaforum gelesen hatten, dass sie sich auch auf diesem Campingplatz aufhielten. So konnten wir gut Erfahrungen austauschen.

Außerdem lasen wir im Internet, dass es brandneu endlich eine Marokkokarte für unser Tomtom-Navi gibt. Das war doch mal eine tolle Nachricht! Und mit viel Gefummel haben wir es tatsächlich geschafft, die Karte online auf unser Navi runterzuladen. Natürlich wird das Straßennetz noch nicht so genau wiedergegeben wie in Europa, aber wir sind so froh, endlich mit Navi fahren zu können, weil in den Reiseführern Sehenswürdigkeiten, Campingplätze usw. schon mit GPS-Angaben versehen und die Marokkaner mit Wegweisern und Straßenschildern ziemlich sparsam sind.

Heute hat sich der Regen endlich verzogen und für die nächste Woche wird nur Sonne vorhergesagt. Also fahren wir morgen weiter und hoffen, dass wieder alle Straßen frei sind.

Im Souk von Agadir

23. Februar - 1. März

Unser nächstes Ziel nach Agadir war der Campingplatz International bei Massa. Er war uns als sehr schön und am Meer liegend beschrieben worden. Doch daraus wurde nichts! Vor einer Brücke kurz davor mussten wir umkehren, weil die Regenfluten der vergangenen Tage ein ca. 3 m großes Loch in die Brücke gerissen hatten. Dumm nur für die Camper, die sich dort gerade aufhielten! So fuhren wir nach Aglou Plage. Den Platz kannten wir noch vom letzten Jahr und fanden ihn immer noch nicht berauschend. Aber für eine Zwischenpause ist er gut geeignet und man hat einen schönen Blick aufs Meer. Die neuen Sanitäranlagen sind fast fertig und der Ort selbst hat eine ansehnliche Strandpromenade.

Anschließend machten wir uns auf den Weg nach Osten in den südlichsten Teil des Atlas-Gebirges, den Antiatlas, nach Tafraout. Diesen Ort und seine Umgebung fanden wir im letzten Jahr so schön, dass wir unbedingt noch einmal hinfahren wollten. Diesmal machten wir auf dem nagelneuen Campingplatz Granite Rose Station. Der kleine Platz hat alles, Strom und Wasserhahn für jeden Stellplatz, gepflegte Warmduschen, Waschmaschine und WIFI. Und Omar kümmerte sich um alles. Er gab uns gute Tipps und kochte eine fabelhafte Tajine, eine bessere haben wir in Marokko noch nicht gegessen. Als uns eine Fahrradkette gerissen war, lieh er uns sein Fahrrad und sorgte für die Reparatur.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten hatten wir uns schon letztes Jahr angeschaut. So machten wir jetzt einige Spaziergänge und Radausflüge rund um den Ort, Mitbringseleinkäufe eingeschlossen. Tafraoute (manchmal ohne, manchmal mit 'e' geschrieben) ist ja für die Babouschenherstellung bekannt. Nachmittags hatten wir hier in knapp 1000 m Höhe über 30° in der Sonne, aber in einer Nacht lagen die Temperaturen knapp um den Gefrierpunkt. So krasse Unterschiede hatten wir bislang noch nicht erlebt, für diese Gegend aber wohl nichts Besonderes. Schließlich ist die Sahara nicht weit.

2. März 2010

Der 2. März wurde der abenteuerlichste Tag unserer Tour. Wir starteten in Tafraout Richtung Tata, am Südrand des Antiatlas. Wir benutzten Nebenstraßen, von denen wir lediglich wußten, dass sie erst vor nicht langer Zeit asphaltiert worden waren. Der Verkehr war äußerst gering, einmal sahen wir während einer 20-minütigen Pause kein anderes Fahrzeug! Die ganze Strecke war landschaftlich ein absolutes Highlight! Zuerst nahmen wir die 106 nach Igherm. Die wahnsinnig vielen Kurven (teilweise 1600 m hoch) im Gebirge kosteten viel Zeit, aber diese Ausblicke!

 

Von Igherm aus führen zwei Straßen nach Tata. Wir entschieden uns für die wenig befahrene, aber landschaftlich als sehr schön beschriebene R1805. Das stimmte voll! Am liebsten hätten wir dauernd zum Fotografieren angehalten. Weiter gings mit unzähligen Kurven und schmaler Fahrbahn, aber das macht bei wenig Verkehr ja Spaß.

Und dann fing es an!! Nirgendwo hatte es einen Hinweis gegeben, dass die Strecke stark unter den Unwettern der letzten Zeit gelitten hatte. Als wir vor der ersten Steinschlagstelle standen, waren wir völlig fassungslos. Wenden war wegen Platzmangels völlig unmöglich. Also durch! Gerd dirigierte draußen und ich am Steuer kämpfte mich und das Auto Zentimeter für Zentimeter, ca. 15 m mit schweißnassen Händen vorwärts. Die provisorisch geschaffene Fahrspur bestand aus sehr groben Steinen und an den Seiten kam es auf jeden Zentimeter an.. Unser Womo schaukelte bedenklich und drückte sein Unbehagen mit lautem Knarren und fürchterlichem Geschirrscheppern aus. Leider haben wir gar nicht daran gedacht, von dieser schlimmsten Stelle Fotos zu machen, unsere Nerven lagen einfach blank. Die beiden nächsten verschütteten Stellen waren nicht so schlimm und wir meisterten sie schon fast wie Profis. Nicht einen Kratzer gab es!

Doch ein weiterer Höhepunkt lag noch vor uns. Vor uns lagen ein paar Steine auf der Straße = Sperrung! Und dahinter war an einer Felskante die ganze Straße über etliche Meter durch Wasserkraft weggebrochen. Die Umfahrung führte durch das nun ganz schnell wieder ausgetrocknete Flussbett. Man muss hier einfach immer Vertrauen haben. Wenn andere Leute durchgekommen sind, werden wir es auch wohl schaffen. Aber immer lauerte im Hintergrund die bange Frage: Waren die anderen Fahrzeuge auch so lang und breit??

Auf der Weiterfahrt wurden wir mit einer wunderschönen Flussoasenlandschaft belohnt. Als wir dann die Oase Tagmout erreichten, waren wir froh, unsere Erlebnisse in Ruhe verarbeiten zu können und blieben dort über Nacht.