25. Februar - 9. März 2009

Inzwischen wurde es Zeit, unser Gasproblem zu lösen. In allen Reiseführern stand, unsere beiden sonst so praktischen Wynen-Gastankflaschen mit Autogasfüllöffnung seien in Marokko nicht zu füllen. Auch von Wynen wurde uns das bestätigt. Der Gasvorrat in der ersten Flasche hatte erheblich abgenommen und bei Nichtauffüllung wären unserem Marokkoaufenthalt doch frühere zeitliche Grenzen als erhofft gesetzt worden. Oder wir hätten unsere Flaschen ausbauen (Unterbringungsproblem!) und eine marrokanische einbauen müssen. Auf dem Campingplatz wurden oft die unterschiedlichsten europäischenFlaschen eingesammelt und am nächsten Tag gefüllt zurückgebracht, aber bei unserem System bedauerte man. Deshalb fuhren wir am 25. 2. selbst zum Gaswerk am Nordrand von Agadir. Vor dem Eingang trafen wir eine längere Schlange von Lkws, bis obenhin beladen mit Gasflaschen, und Wohnmobilen an. Ein deutscher Tourist erklärte sofort ziemlich arrogant, diese Flaschen könnten hier nicht gefüllt werden. Nach einer Weile schaute sich ein Mitarbeiter unsere Gasflaschen an und sagte kategorisch, da sei nichts zu machen. Aber ein anderer meinte (mit Unterstützung von etwas Trinkgeld), er würde einen Fachmann holen, der hätte vielleicht eine Idee. Und so geschah es, wenn auch mit südländischer Weile, woran wir uns aber längst gewöhnt hatten. Man begutachtete, nickte und holte Verstärkung. Beide Flaschen wurden zusammenhängend ausgebaut und ins Werk geschleppt. Nach weiteren 2 Stunden Warterei bei brütender Hitze ohne Schatten bekamen wir die Flaschen zurück. Gefüllt !! Das war nicht nur ein Stein, der uns vom Herzen fiel! So ein Dusel! So lässt sich also festhalten, dass es hier zwar weder Autogastankstellen noch offizielle Füllmöglichkeiten gibt, aber es wird alles gefüllt, wie auch immer. Marokkaner sind da sehr flexibel.

Anschließend fuhren wir zum Campingplatz direkt in Agadir, von wo aus man die Innenstadt und den Strand zu Fuß erreichen konnte. Die Stadt wurde 1960 durch ein Erdbeben total zerstört, aber anschließend wieder modern neu aufgebaut. Deshalb unterscheidet sie sich nur unwesentlich von südeuropäischen Großstädten und es gibt es keine bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten. Herrlich ist allerdings der Strand mit sehr schön angelegter Fußgängerpromenade, wo das Bummeln Spaß macht. Bei den neuen Hotels hat man auf enge Bebauung und Hochhäuser verzichtet, was zu einem positiven Erscheinungsbild beiträgt.

Über Tiznit mit 6km langer gewaltiger Lehmstadtmauer und Aglou Plage fuhren wir nach Sidi Ifni und verbrachten noch ein paar schöne Sonnentage am Atlantik. Die von Spaniern gebaute Stadt mit vielen weißen Häusern wird in den Reiseführern gelobt, aber uns begeisterte sie nicht sonderlich, mal vom milden Klima und der günstigen Lage des Campingplatzes direkt am Strand abgesehen.

Dann verließen wir die Küste Richtung Binnenland nach Osten. Tafraoute im Anti-Atlas war unser Ziel. Dahin führt von Süden eine sehr kurvige Straße, oft nur etwas breiter als ein Wagen. Aber der Verkehr war minimal und die Gebirgslandschaft ein Traum, absolut lohnend! Tafraoute ist berühmt wegen der wunderschönen Umgebung und man kann sehr gut wandern.  

Da man etliche Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Tafraoute nur über Pisten erreichen kann, die nicht für normale Autos geeignet sind, nahmen wir an einer ganztägigen Tour mit Führer und und einem weiteren Ehepaar in einem Geländefahrzeug teil. Das kostete für 7 Stunden und Mittagessen pro Person nur 30€. Davon hat sich jeder Cent doppelt gelohnt. Erst ging es zu Felsen, die von einem belgischen Künstler vor 25 Jahren bunt angemalt worden waren, ansich nichts Besonderes, aber mit toller Wirkung bei diesem klaren Licht. Danach fuhren wir über 2000m hoch durch Stein- und Felswüste und wieder runter in kleine Oasenorte in Schluchten. Wieder ein Fest für die Augen!

Als wir Tafraoute verließen, wurde die Straße noch anstrengender, ca 60km nur einspurig (allerdings mit Ausweichmöglichkeiten), mit unzähligen Kurven und Serpentinen, direkt am Hang, keinerlei Leitplanken usw. Aber die Aussicht !! Viele Bergwiesen voller Blüten, Dörfer, die malerisch am Hang kleben. Der frühe Frühling ist hier wunderschön, im Sommer ist wohl alles nur braun. Wir waren aber doch froh, dass wir diese Straße immer auf der Bergseite befuhren. In umgekehrter Richtung an der Hangseite zu fahren, muss ein Albtraum sein.

In Taroudant machten wir die nächste Pause und übernachteten auf einem Hotelparkplatz direkt an der alten gewaltigen Stadtmauer. Nur wenige Touristen kommen hierher und so erlebten wir das ganz normale marokkanische Gewusel in den Souks (Märkte, hier überdacht) und rund um den Hauptplatz herum und genossen es.

Nach Taroudant machten wir nach langem Überlegen noch wieder einen Abstecher nach Agadir. Bei Hedda machte sich ein Zahn unangenehm bemerkbar und wir hatten Angst, bei einer evt. Verschlimmerung auf unserer Fahrt in die östliche Wüstengegend in den kleinen Dörfern keine vernünftige Behandlung zu finden. Dagegen hatte eine Deutsche schon vor Wochen uns gegenüber von einer sehr guten und günstigen Zahnarztbehandlung in Agadir geschwärmt. Sie hatte recht! Es gab prompte Behandlung durch eine junge Zahnärztin (mit Kopftuch) in einer supermodernen Praxis mit Röntgenbild direkt auf dem Behandlungsstuhl und gleich auf dem Bildschirm sichtbar. 18 € kostete der Spaß und wir konnten beruhigt unsere Fahrt fortsetzen.

10. - 24. März 2009

Von Agadir aus zogen wir nun endgültig Richtung Osten und übernachteten zuerst auf dem schönen Campingplatz Toubkal in Taliouine und dann in Agdz auf dem Campingplatz Kasbah Palmiers. Man steht hier sehr romantisch in dem Palmengarten der Burg Kasbah Asslim. Deshalb ist der Platz bei Europäern sehr beliebt. So trafen wir etliche bekannte Gesichter wieder: Corry und Yper aus Groningen zum 5.Mal und Helga und Heinz aus Rotenburg an der Fulda. Der Besitzer ist mit einer Französin verheiratet, die auch gut Deutsch spricht und regelmäßig Führungen durch den Familiensitz veranstaltet. Das war äußerst interessant und endlich bekamen wir auch ausführliche Antworten auf unsere vielen Fragen zum Leben in Marokko. So verdient ein Lehrer durchschnittlich ca. 300 € im Monat, ein Bauarbeiter 7,50 € am Tag. Alle Kinder besuchen 6 Jahre gemeinsam die Grundschule, mit Ausnahme vieler Nomadenkinder, die ja immer mit ihren Familien unterwegs sind. Aber da der junge marrokanische König Mohammed VI sehr fortschrittlich ist, gibt es schon die ersten Lehrer, die mit den Nomaden ziehen. Anschließend folgt 3 Jahre das Collège, auch wieder für alle Kinder, aber nur theoretisch, weil viele Collèges ein Einzugsgebiet mit einem Umkreis von 15km haben und von armen Kindern zu Fuß nicht erreichbar sind. Darauf baut wiederum das Lycee auf mit abiturähnlicher Abschlussprüfung.

Die alten Dörfer und oft wunderschönen alten Kasbahs bestehen hauptsächlich aus Lehm und sind deshalb relativ empfindlich, nicht so sehr gegen Wasser, sondern gegen Wind mit Sand vermischt. Wenn sie nicht ständig ausgebessert werden, verfallen sie ziemlich schnell und solche Ruinen sind oft zu sehen. Viele Marokkaner haben auch gar kein Interesse an der Erhaltung, sondern ziehen simple, stupide Häuser aus Beton und Ziegeln vor. An der Restaurierung dieser Kasbah in Agdz beteiligen sich seit 12 Jahren Workshops mit Architekturstudenten der Bauhaus Universität Weimar. So sahen wir den Leiter dieser Gruppe bei der manuellen Herstellung von Lehmziegeln.

Anschließend machten wir durch das Drâa-Tal, eine lange Flussoase, einen Abstecher nach Zagora. Auch hier konnte man wieder überall gut den typischen Oasenaufbau erkennen. Das oberste Stockwerk bilden die Dattelpalmen als Schattenspender. Dazwischen wachsen auf halber Höhe Obstbäume, hier Feigen, Mandeln, Orangen und Oliven. Und im Erdgeschoss, also auf dem Boden, werden in kleinen Feldern, durch viele Bewässerungsgräben geteilt, Getreide, Gemüse und Viehfutter angebaut.

In Zagora fuhren wir auf den kleinen Campingplatz Oasis Palmiers, eine wunderschöne Anlage mitten in Palmengärten. Kaum standen wir, wurde vor unserer Tür ein Wollteppich ausgebreitet, ein Tisch mit Decke und Hockern aufgestellt und Tee zur Begrüßung gebracht. Alles zusammen kostet pro Nacht 4 €, kaum zu glauben. Am liebsten wären wir hier lange geblieben, aber wir wollten ja noch mehr von dem Land sehen.

Den Ort Zagora erkundeten wir mit den Fahrrädern. Die Stadt selbst ist nicht sonderlich interessant. Von hier aus unternehmen aber viele Touristen Touren in die Sandwüste. Darauf haben wir verzichtet, weil uns später noch eine bessere Gelgenheit erwartete. In Zagora befinden sich jedoch ein paar sehr schöne Hotels. Im Garten des Hotel Kasbah Asmaa haben wir gegessen, in einer Umgebung wie in Tausendundeiner Nacht mit vielen Blumen, Lichtern, Teppichen und Kissen.

Nachdem wir durch das Drâa-Tal zurückgefahren waren, machten wir eine Pause in N'kob im Hotel Kasbah Baha Baha. Nach leckerem und preiswertem Essen im gepflegten Garten wurden wir durch das Hotel geführt und sahen u.a. sehr schöne Zimmer (Doppelzimmer mit Bad 50 €)und eine gemütliche Bibliothek. Von der Dachterrasse eines Turmes hat man einen tollen Blick über den Ort, was besonders interessant ist, weil N'kob 45 erhaltene Kasbahs besitzt, einzigartig in Marokko.

Die weitere Strecke nach Osten führte durch staubtrockene Gegend, ab und zu unterbrochen durch kleine Büsche und einzelne Grasbüschelchen in Senken. Grün sind nur die wenigen Oasen. Aber an deren Rändern befinden sich viel kaputte Palmen und die Gärten darunter sind oft vertrocknet. Die Sahara schreitet auch nach Norden vor.

Nach einer Übernachtung in Tazzarine landeten wir endlich in der Sandwüste, dem Erg Chebbi. Das Hotel Kasbah Mohayut bei Merzouga bietet auch ein paar Wohnmobilstellplätze an und ist bei Deutschen sehr beliebt, wohl auch wegen des freundlichen Geschäftsführers Hassan, der auch Deutsch spricht. Die Kasbahs am Rande dieser Sandwüste sehen sehr traditionell aus, sind aber fast alle erst in den letztenJahren gebaut worden und fast alle auch sehr komfortable Hotels, mehrere davon mit Wohnmobilstellplätzen. Die Kasbah Mohayut ist sehr komfortabel und gemütlich mit Pool, ansehnlichen Innenhöfen und Dachterrasse mit herrlicher Weitsicht. Auch bei einem Hotelaufenthalt (p.P. 30 €) könnte man sich dort sehr wohl fühlen. Direkt dahinter beginnen die Dünen. Einmalig!

An dieser Stelle waren wir nun am weitesten von Deutschland entfernt. Und ausgerechnet hier in der Sandwüste trafen wir alte Bekannte wieder, die Schweizer, mit denen wir im April 2007 am Anfang unserer Nordamerikatour unsere Wohnmobile aus dem Hafen in Baltimore abgeholt hatten. Die Welt ist doch klein!

Zusammen mit den Rotenburgern (s.o.) nahmen wir direkt vom Wohnmobil aus an einer Kameltour in die Wüste teil. An das Geschaukel kann man sich ja noch gewöhnen. Aber immer, wenn es eine der vielen Dünen abwärts ging, kamen wir ganz schön ins Flattern und waren äußerst angestrengt um Halt bemüht. Nach eineinhalb Stunden erreichten wir unser Nachtlager mit Nomadenzelten, in denen aber richtige Matratzen mit Laken und Decken vorhanden waren. Das hatten unsere durchgeschüttelten Knochen auch dringend nötig. Zum Abendessen bereiteten unsere beiden 'Kameltreiber' eine typisch marokkanische Tajine und thé à la menthe(Pfefferminztee) zu und als alle Kerzen abgebrannt waren, begann das nächste Abenteuer. Nur einer der 7 Teilnehmer hatte nämlich an eine Taschenlampe gedacht. Aber das Bett haben schließlich alle gefunden. Bei Sonnenaufgang machten wir uns auf den Rückweg. Ein Genuss: das Schattenspiel der Dünen in der Sonne am frühen Morgen, die totale Stille um uns herum. Dieser Ausflug hat sich wirklich gelohnt. Ein Kamelritt ist auch ganz witzig, aber diese Erfahrung reicht uns jetzt auch fürs Leben.

Tajine: Fleisch in der Mitte, darüber Gemüse der Saison     Bis Merzouga waren wir 5866km gefahren,danach ging es langsam nach Norden Richtung Heimat. Zuerst fuhren wir über Erfoud nach Meski , zur Source bleue, der blauen Quelle. Diese Quelle speist eine große Oase und ein schönes Schwimmbad und direkt daneben liegt unter Palmen ein sehr beliebter Campingplatz. Allerdings gingen uns hier die Teppichhändler am Rande gewaltig auf den Geist. Hier trafen wir uns wieder mit den Rotenburgern.

Am nächsten Tag fuhren wir zusammen nach Goulmima, um den alten Ksar zu besichtigen. Dieses 900 Jahre alte Wehrdorf steht unter UNESCO -Schutz und man versucht mühsam es zu erhalten. Knapp 400 Familien leben noch dort.

Wie in einem unserer Reiseführer beschrieben, wartete Youssef am Stadttor und bot uns eine Führung an, was wir auch geplant hatten. Seine sachkundige Führung durch den Ksar und die anschließenden Palmengärten war sehr anschaulich und interessant. U.a. zeigte er uns die total ärmliche Wohnung einer alten Frau, in deren Wohnraum gleichzeitig Datteln lagerten und Schafe in einem Verschlag lebten. Außerdem lud er uns in seine eigene Wohnung zu Tee und Fladenbrot mit Olivenöl ein. Das schmeckte gut! Seine nette Frau setzte sich auch zu uns. Sie ist Berberin und trägt deshalb im Haus auch bei Besuch kein Kopftuch. Sie stillte sogar ihr jüngstes Kind in unserer Gegenwart.

Danach ging es weiter nach Tinerhir zum sehr schönen Campingplatz des Hotels Le Soleil am Anfang der Todra - Schlucht. Und am nächsten Tag machten wir eine Tour durch die Schlucht und wieder zurück. Sehr beeindruckend!

Nur 50 km weiter westlich machten wir einen Abstecher in die Dadès-Schlucht. Kurz vorher löste sich der Auspuff beim Flair der Rotenburger. Die nächste Werkstatt wurde angefahren und trotz Sonntag, der auch in Marokko Feiertag ist, war alles kein Problem. Ruckzuck lagen zwei Leute unter dem Wagen und schweißten - nur durch Sonnenbrillen geschützt! Man nimmt es mit der Sicherheit hier nicht so genau. Das Ganze kostete 15 € und ein Bier! Bier ist sehr beliebt bei den Marokkanern, weil es in diesem mohammedanischen Staat nur an wenigen Stellen zu kaufen ist. Und deutsches Bier hat einen besonders guten Ruf.

Die Dadès-Schlucht ist unserer Meinung nach landschaftlich noch schöner und spektakulärer als die Todra-Schlucht, weil das Befahren etlicher steiler Serpentinen große Konzentration und gute Motoren erfordert und eine Strecke durch das Wasser bringt echt Nervenkitzel, da man die Wassertiefe nicht kennt und der Uferabhang nur durch blaue Säcke gekennzeichnet ist. Deshalb fehlen hier auch die großen Touristenbusse und es ist viel ruhiger. Aber unser Wohnmobil schaffte es gut und wir genossen die wunderschöne Umgebung.

Unser nächstes Ziel war der Campingplatz Amridil in Skoura. Dieser Oasenort gefällt durch die großen Palmenhaine und etliche Kasbahs. Er ist auch bekannt durch den Rosenanbau und Herstellung von Rosenwasser. Zu viert machten wir am Tag drauf eine kleine Rundfahrt, besichtigten zuerst die schöne Kasbah Amerhidil und fuhren durch Palmenhaine zum wöchentlichen Souk, wo es wieder nur so von Menschen wimmelte.

Amerhidil Camping Amridil 25. März - 6. April 2009

Uff, man merkt, dass die letzten Berichte häufig sehr spät abends auf die Schnelle geschrieben wurden. Ich hoffe, dass die meisten Tippfehler jetzt verschwunden sind.

Zuerst einmal herzlichen Dank an Werner, der unsere Homepage gelesen und es geschafft hat, uns eine E-Mail schicken zu lassen, obwohl er als 87-Jähriger überhaupt nicht mit einem PC umgehen kann. Wir kommen hier zwar nur selten ins Internet, aber hoffen dann auch eigentlich immer auf Post aus der Heimat.

And we are glad our Canadian friends John and Barbara read our homepage.They try to translate it into English with a special software. John, you must know that Gerd's head would have been burned here without the wonderful Canadian Tilley hat.

Am 25.März machten wir uns auf den Weg nach Ouarzazate mit der herrlichen Kasbah Taourirt (s.o.). In dieser Umgebung und den Studios sind fast alle großen Bibel- und Antikenfilme der letzten Zeit gedreht worden.

Nicht weit entfernt liegt Âit Benhaddou. Das ganze alte Dorf steht auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes, ein Marokko-Muss für Touristen. Wir waren begeistert! Spaß machte auch der Marsch durchs Wasser zum Dorf. Eine Brücke gibt es nicht und nur im Sommer schafft man es trockenen Fußes. Natürlich kann man sich auch auf Eseln rübersetzen lassen. Aber so unsportlich wollten wir nun doch nicht aussehen. U.a. hatten wir dort auch Gelegenheit, uns die Wohnung einer Berberfamilie anzusehen. Als wir zum Parkplatz zurückkehrten, traf uns fast der Schlag! Eine Seite des Womos war völlig verdreckt! Des Rätsels Lösung wurde uns erst in Schritten klar. Die Besitzer des neben uns stehenden Wohnmobils hatten ihre Markise runtergedreht und saßen beim Kaffee, als eine urplötzlich auftretende, starke Windböe die stabil befestigte Markise erfasste, hochschleuderte, abriss und über beide Wohnmobile schleuderte. Durch den harten Aufprall der Gestänge im Staub war unser Womo so versaut worden. Zusammen mit dem Nachbarn machten wir uns ans Säubern und waren gemeinsam froh, dass außer dem Verlust der Markise kein weiterer Schaden entstanden war. Langeweile kommt bei uns nicht auf.

So brachen wir etwas verspätet auf, den Hohen Atlas auf der N9 Richtung Marrakesch zu überqueren. Angeblich sollte man oben Übernachtungsstellen finden können. Aber weit gefehlt! Entweder waren es Parkstreifen direkt an der Straße oder das Plätzchen war von nervigen Mineralienhändlern mit meist scheußlich gefärbten Produkten belegt. Kurz vor Dunkelheit fanden wir dann ein paar Orte hinter Taddert einen fast ruhigen Dorfplatz kurz vor km 72, wo wir gerne übernachten durften. Am nächsten Tag ging das Gekurbel weiter. Diese Straße besteht nämlich im fast 100 km langen Mittelteil nur aus Kurven und Serpentinen, aber mit wunderschönen Ausblicken. Die höchsten Bergspitzen sind um die 4000m und der Pass immerhin 2260m hoch. Herrlich für die Augen, schlecht für die Nerven! Auf der Südseite ist alles trocken und kahl, auf der Nordseite grünt und blüht.es, zumindest jetzt im Frühling.

Auf dem komfortablen und ruhigen Campingplatz Le Relais de Marrakesch am Rande von Marrakesch holten wir erst einmal tief Luft und trafen uns dann am nächsten Tag mit den Rotenburgern auf einem Parkplatz in der Ortsmitte direkt hinter der großen Kutubiya Moschee. Dort steht man sehr eng inmitten von windschiefen Mietgaragen, wo Autofahrer tagsüber ihre Wagen unterstellen, Mopeds oder Fahrräder rausholen und in die engen Gassen der Medina düsen. Aber dieser Platz ist nachts ruhig und liegt fantastisch zentral inmitten aller Sehenswürdigkeiten, die man so leicht zu Fuß erreichen kann.

Zu viert stürzten wir uns in das Gewimmel der größten Medina Marokkos mit berauschenden Farben und Gerüchen, besichtigten die sehr schöne alte Koranschule Ben Yussef und aßen an abends aufgebauten Essständen auf dem berühmten Platz der Gehenkten. Ein obligatorischer Schlangenbeschörer war selbstverständlich auch dort. Ein richtiges Vergnügen insgesamt! Und gemeinsam stellten wir fest, dass man auch diese Medina sehr gut allein ohne Führer durchwandern kann, man wird natürlich von Händlern angesprochen, aber nicht belästigt. Und das Handeln macht mitunter sogar Spaß, auch wenn man dann etwas kauft, was man eigentlich nicht braucht, dafür aber sehr preiswert. Die Medina ist so groß, dass wir auch am nächsten Tag noch einen Bummel dadurch machten und u.a. das Musée de Marrakesch in einem herrlichen Stadtpalast aus dem 19. Jht. besichtigten. Jetzt schlugen wir auch bei den Gewürzen zu. Deutschland rückt ja immer näher.

Eigentlich wollten wir den Bericht noch in Marrakesch ins Netz bringen. Der Campingplatz 'Le Relais' macht sogar Werbung mit Wifi, aber das funktionierte natürlich nicht. Manchmal bricht auch in ganzen Städten das Internet zusammen oder in Internetcafés sind die Geschwindigkeiten so langsam, dass wir es nicht schaffen, unsere Seiten zu erneuern. Aber der Strom setzt hier auch manchmal aus, das kennt man jedoch schon und irgendwann läuft ja auch alles wieder. Muss man alles nicht so wichtig nehmen.

Marrakesch sollte das Ende unserer großen Besichtigungstour sein, den Rest des Marokkoaufenthaltes wollten wir mit Relaxen am Meer verbringen. Deshalb fuhren wir zügig auf der Autobahn nach Casablanca und dann weiter nach Norden. Unterwegs erlebten wir eine ganz schreckliche Seite von Marokko. Bei Rabat gerieten wir nämlich wegen einer Baustelle in einen längeren Stau. Ansich nerven uns Staus nicht besonders, man braucht halt mehr Zeit. Aber hier drängelten die Fahrer wie verrückt. Sogar der Standstreifen wurde benutzt und manchmal auch das Gras daneben. Mitunter standen 4 Wagen nebeneinander auf den 2 Fahrspuren. Und immer wieder wurde nach rechts und links ohne Rücksicht auf Verluste reingedrängelt. Geradeaus in einer Spur vorzurücken, scheint vielen Fahrern unmöglich zu sein. So gab es in dem Stau noch wieder zwei neue Unfälle und ein Abschleppwagen wurde nicht durchgelassen. Der reinste Horror! Glücklicherweise gibt es hier nur selten Staus, weil nur relativ wenige Marokkaner Autos besitzen.

Eine schöne Stelle am Wasser zu finden war gar nicht so einfach, weil einige Plätze im Norden, die noch in unseren Reiseführern beschrieben waren, inzwischen geschlossen wurden, z.B. bei Rabat und Asilah. Aber jetzt befinden wir uns in Moulay Bousselham auf einem Campingplatz direkt an der Lagune und hier gefällt es uns ausgezeichnet. Das Womo steht mit viel Platz drumherum direkt am Wasser, frischen Fisch gibts direkt vom Boot und Deutsche zum Quatschen sind auch da. Deshalb werden wir wohl auch die Osterfeiertage hier gemütlich verbringen. Wir wünschen allen Lesern unserer Homepage ruhige und besinnliche Ostern!

7. - 18. April 2009

Zu unserer Freude landeten auch die Rotenburger, Heinz und Helga, in Moulay Bousselham und so konnten wir gemeinsam einiges unternehmen, wie Essen gehen oder zum nächsten Souk zu fahren. Dieser Wochenmarkt schlug an Größe und skurriler Fremdartigkeit für uns alle bisher gesehenen. Als Mittelpunkt eines sehr großen Umkreises deckt dieser Markt auf freiem Feld unzählige Bedürfnisse, vom Verkauf von Möbeln und alten Reifen bis zu Friseuren und einem Zahnarzt ohne jegliches elektrisches Gerät. Hühner wurden ausgesucht und vor Ort geschlachtet und neben Flickschustern saßen Männer an uralten Singer-Tretnähmaschinen.

Außerdem spielten wir mit viel Spaß Doppelkopf und Uno. So blieben wir mehr als 2 Wochen.

Unsere letzte Station in Marokko war Asilah (am Atlantik weiter im Norden) mit einer wunderschönen Medina am Meer. Wohnmobilisten können dort direkt zwischen Stadtmauer und Meer übernachten.

Am 17.4. fuhren wir über Tetuan, wo wir bei Marjane noch einmal günstig unsere Lebensmittelvorräte auffrischten, zum spanischen Ceuta. Den Papierkram konnten wir problemlos erledigen und der Zoll winkte uns durch. Und auf der nächsten Fähre nach Algeciras war zum Glück auch noch Platz. Nach 45 Minuten hatte uns Europa wieder. Von unserem Campingplatz in Tarifa konnten wir abends noch einen etwas wehmütigen Blick über die Meerenge von Gibraltar zur afrikanischen Küste werfen.

Nun ging es quer durch Spanien über Malaga und Granada bis Aranjuez südlich von Madrid. Diese Stadt nennt sich 'Versailles von Spanien' und wurde zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt. Wir besichtigten den königlichen Palacio Real mit sehr schönen Barockgemächern, wo man leider keine Fotos schießen durfte, und bummelten durch die ausgedehnten Parkanlagen und die historische Innenstadt. Von dem gepflegten Campingplatz des Ortes, der direkt am Tajo liegt, kann man alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen. Ein idealer Zwischenstopp!

  

19. - 29. April 2009

Der Rest dieser Reise ist schnell erzählt. Weiter nach Norden ging es unsere übliche Strecke: über Madrid, Burgos, Vitoria, Biarritz nach Ondres-Plage an der Côte d'Argent in Frankreich. Auf dem dortigen kommunalen Womo-Stellplatz hatten wir schon oft auf unseren Fahrten nach Portugal übernachtet. Auch diesmal genossen wir wieder die Ruhe und die schöne Lage direkt hinter den Dünen. Um diese Jahreszeit wird noch nicht mal kassiert und Ver- und Entsorgung sind kostenlos.

Andere Camper erzählten uns, der nahe Stellplatz in Capbreton solle auch sehr schön sein. Das wollten wir uns persönlich anschauen. Tatsächlich, dieser Platz liegt auch am herrlichen Sandstrand direkt hinter der Düne. Allerdings kostet er eine geringe Gebühr, wofür es aber auch Strom gibt. Die Ortsmitte ist mit dem Fahrrad schnell erreichbar. Uns gefiel es hier auch gut.

Telefonisch hatten wir uns inzwischen Termine für Gasprüfung und TÜV besorgt, was unbedingt bis Ende April erfolgen musste. So stand unser Rückkehrtermin fest. Von Capbreton aus sind wir über Bordeaux - zum schönen Stellplatz beim See in Angoulême gefahren, dann südlich an Paris vorbei - durch Luxemburg (Übernachtung in Echternacherbrück) - nach Bad Münstereifel. Dort besuchten wir unsere Freunde Christine und Peter und freuten uns sehr über das Wiedersehen. Anschließend holten wir noch kurz , weil unsere Nachkommen gerade verdienten Urlaub machten, in Dortmund unsere Post ab und waren am Mittwoch, dem 29. April nach gut 11000 km wieder zu Hause.

Das wäre es nun für diese Reise. Wir sind rundherum zufrieden und Marokko-Fans geworden. Es war bestimmt nicht unser letzter Winterurlaub dort.

Wir grüßen unsere Leser ganz herzlich, die uns unbekannten bis zu unserem nächsten Reisebericht und Familie, Freunde und Bekannte bis zum Wiedersehen. Tschüs, bis bald.

28. Mai 2009

 

Mit großer Verzögerung folgt nun noch zur besseren Übersicht eine Karte mit unserer Fahrtroute in Marokko. Die Orte, in denen wir übernachtet haben, sind eingekreist.

Die Veröffentlichung der Kartengrundlage (Marokko, Ausgabe 2007) geschieht mit freundlicher Genehmigung des ADAC.