5. Reisebericht 20.01.08

Unser 4.Reisebericht hatte Ende Oktober in Quartzsite geendet und wir waren richtig guter Stimmung, hatten wir doch am 28.Okt. mit unserer Wohnmobilfirma verabredet, uns einen neuen Elektroblock zu einem Campingplatz in San Diego zu schicken. Wir wollten ab 14. Nov. dort sein. Das war auch großzügig geplant, weil UPS uns versichert hatte, dass Pakete in die USA 5 bis höchstens 14 Tage bräuchten. Diese Information hatten wir weitergegeben. Aber wie das dann so läuft ...

So machten wir uns wohlgemut auf zum Joshua Tree National Park, eine absolut einmalige Gegend: Fels und Kieswüste mit tausenden von Joshua Trees. Sie sehen aus wie kleine Palmen, sind aber in Wirklichkeit Liliengewächse. Wir standen dort ein paar Tage auf einem herrlichen Park-Campground zwischen roten Felsen, machten etliche Wanderungen und hörten uns Ranger-Vorträge an.

Nach der vielen Ruhe zog es uns anschließend in den Trubel: Palm Springs, den Winteraufenthalt der Reichen und Schönen. Angeblich sollen dort auch viele Schauspieler wohnen, aber wohl mehr oder weniger in Resorts, mit Mauern umgebenen Wohnvierteln, deren Einfahrten mit Wachhäuschen und Schranken versehen sind. Nichts für den Normalbürger. Immerhin sind Palm Springs und die Nachbarorte ganz ansehnlich im Vergleich zu den anderen Wüstenstädten im Südwesten der USA. Als wir ankamen, wurden überall nach der Sommerhitze Unmengen von Blumen gepflanzt, Geranien, Begonien usw., die in Deutschland nur im Sommer wachsen. Unser Campingplatz hatte auch einen großen beheizten Pool, was wir ausgiebig ausnutzten. Aber wieder fiel uns auf, dass wir zum Schwimmen eigentlich mehr Tiefe gewünscht hätten. Es dauerte ziemlich lange, bis der Groschen fiel: Viele Amerikaner können nicht schwimmen! Deshalb stehen sie nur im Wasser oder laufen drin herum und darauf hat man sich mit der Wassertiefe eingerichtet!

Pünktlich am 14. Nov. landeten wir in San Diego, dem äußersten Südwesten der USA, direkt an der Grenze zu Mexico. Das Paket war natürlich nicht da!Also warteten wir ein paar Tage geduldig und schauten uns die Stadt an, die in der Tat sehr sehenswert ist: sehr schöner Strand; altes mex. Zentrum ‚Old Town', riesiger Park mit vielen Museen, verschiedenen Themengärten, kostenlosem erstklassigem Open Air -Orgelkonzert und sonntags geöffneten Häusern verschiedener Nationen (auch ein deutsches), die durch Auswanderer betreut wurden. Einen Tag verbrachten wir auch im Zoo, dem angeblich größten und besten der USA. Uns gefiel der Zoo auch ungemein. Etliche der Tiere hatten wir noch nirgendwo gesehen.
Außerdem besichtigten wir den riesigen Flugzeugträger Midway. Lacht ruhig! Passt ja wirklich nicht zu unserer antimilitaristischen Einstellung. Aber dieses gewaltige Ding liegt direkt neben dem Stadtzentrum als Museumsschiff vertäut, man fühlt sich schon durch den Anblick aufgefordert, mal zu erkunden, wie es innen aussieht. Immerhin war die Midway jahrzehntelang überhaupt das größte Schiff, noch im Golfkrieg im Einsatz und hatte 4500 Mann Besatzung. 4 Stunden haben wir für die sehr interessante Besichtigung gebraucht, von wahnsinnig engen Sardinendosen -Mannschaftskabinen bis zur luxuriösen Admiralssuite, von riesigen Küchen, über Operationssäle zu Flugzeugaufzügen und zu den Flugzeugen selbst, u.a. einigen Phantoms, in die man sogar reinsteigen konnte.

Aber langsam wurde das Wetter schlechter. Der Himmel bewölkte sich und die Solarmodule luden nicht mehr die Wohnraumbatterien auf. Die Lichtmaschine konnte nicht aufladen, da wir ja wegen des Paketes auf dem Campingplatz warten mussten und nicht weiter weg fahren konnten. Die Batterieladung wurde immer niedriger, aber Licht, Wasserpumpen und Boilerautomatik laufen nur darüber mit 12 Volt. In der Folge lasse ich jetzt etliche weitere Verwicklungen aus und schreibe nur das Gröbste.
Nach vielen, vielen Telefongesprächen, meistens nachts, weil wir sonst die Firmen wegen der Zeitverschiebung nicht erreichen konnten, stellte sich heraus:- Der Versand unserer Womofirma hatte erst nach 18 Tagen das Paket losgeschickt, weil sie nicht mit UPS zusammenarbeiten, angeblich nicht wussten, wie man 5kg nach Amerika bekommt und sich dann für die internationale Spedition Hellmann entschieden.
- Am 18. Nov. war das Paket dann tatsächlich in den USA in Los Angeles, aber Hellmann bekam es nicht durch den Zoll, erst von Do. - Frei. Thanksgiving-Feiertage beim Zoll, dann war das Paket angeblich verloren, schließlich sollte es von einem Zollinspektor bei Hellmann selbst geöffnet werden, weil der Inhalt unklar war. Dann wiederum fuhr der Außeninspektor nicht raus, weil es regnete. In LA läuft nämlich nichts mehr, wenn es regnet.
- Hellmann in LA schob alles auf den Zoll und sagte uns jeden Tag wieder, wir als Privatpersonen könnten dort nicht anrufen.

Unsere Laune muss ich wohl nicht beschreiben, das kann man sich sicher selbst vorstellen.
In der Zwischenzeit hatten wir viele sehr nette und informative Gespräche mit vielen Campgroundnachbarn. Im Hinterkopf hatten wir immer noch einen Aufenthalt in Mexico, aus Neugierde und um so unsere Nordamerikarundfahrt abzurunden. Die Meinungen über eine Fahrt nach Mexico waren geteilt. Etwa die Hälfte der Gefragten ( meistens Amerikaner) rieten dringend davon ab, weil in letzter Zeit viele Überfälle stattgefunden hatten. Wie wir später hörten, waren die Überfälle aber nur nachts. (Was man da so nicht alles von Spanien und Frankreich hört!) Und die Amerikaner, die sich trauten, fuhren dann meistens nur im Konvoi. Das ist nun wirklich nichts für uns. Die andere Hälfte, vorwiegend Kanadier und Europäer, schwärmte von der schönen Landschaft und gab uns gute Tipps. Das gab den Ausschlag.
So fuhren wir an einem Tag mit der Straßenbahn zur Grenze und besorgten uns zu Fuß in Tijuana die nötigen Papiere: Visa, Autoversicherung und Autoeinfuhrgenehmigung. Wir mussten zu ganz verschiedenen Gebäuden, aber mit dem Wagen wäre es wegen rarer Parkmöglichkeiten viel komplizierter gewesen. Alles ging ratzfatz und die Beamten waren zu uns sehr freundlich, obwohl wir ja kein Wort Spanisch können. Der Visabeamte sprach uns sogar auf deutsche Fußballer an. Kein Wunder, sogar das ärmste Dorf in Mexico hat ein Fußballfeld.

Inzwischen nähte ich auch mit der Hand neue Frotteepolster für unsere Liegestühle. Wir hatten ja genug Zeit!

Als sich aber immer noch nichts tat, wir aber weiterfahren wollten, platzte uns endgültig der Kragen. Wir fuhren rund 200 km nordwärts nach Los Angeles und standen am 3. Dez. morgens vor der Tür der Spedition Hellmann. Der Zollinspektor war immer noch nicht da. Also wie am Abend zuvor Campground gesucht, denn in dem Industriegebiet mochten wir nachts nicht bleiben.
Am Dienstag rückten sie endlich mit der Adresse vom Zoll raus. Also durch dicken Stadtverkehr zu LAX-Airport, wo die erforderliche Freigabeerklärung innerhalb von 10 Minuten unterschrieben wurde. Der freundliche Beamte wunderte sich über die Spedition und meinte, das würde sonst nie so lange dauern und natürlich hätten wir anrufen können.
Dann ging es wieder zur Spedition, das Paket abholen. Der Stadtverkehr mit teilweise 8 Spuren auf jeder Seite ist wirklich irre. Aber unser Navigerät, welches wir auf den Landstrecken kaum anstellen, führte uns jedes Mal souverän durch das Gewühl.
Als Hellmann dann auch noch Geld für den Transport haben wollte, weigerten wir uns schlicht, zumal schon in Deutschland bezahlt worden war. Sie gaben dann auch zu, dass sie nur wenig Erfahrung mit so kleinen Sendungen hätten. Dunkelrote Karte für Hellmann!
Spätere Anmerkung: Unsere Wohnmobilfirma hat sich per E-Mail später entschuldigt und nach unserer Rückkehr als Wiedergutmachung die Kosten für kleinere Reparaturen übernommen.

Das war nun mal ein Tiefpunkt, aber sollte wirklich keine Hauptrolle spielen. Anschließend verlief alles wunderbar. Und so haben wir auch noch ein paar Ecken von Los Angeles gesehen und das großartige Aquarium und den alten Luxusliner Queen Mary besichtigt. Zu Besuchen von Hollywood und Disneyland hatten wir keine Lust. San Diego hat unserer Mienung nach viel mehr Atmosphäre als LA.

Über die Grenze bei Tijuana ging es dann ganz zügig auf die mex.Halbinsel Baja California. Die mex. Grenzbeamten winkten uns nur von weitem weiter. Obwohl die Halbinsel ca. 1500 km lang ist, gibt es nur eine asphaltierte Straße, die Mex 1. Die Oberfläche ist jetzt gut in Schuss, aber die Straße ist so vertrackt schmal, dass die breiten amerikanischen Wohnmobile bei Begegnungen mit entgegenkommenden oder überholenden LKWs nicht selten ihre Seitenspiegel einbüßen. Für unser ‚little Motorhome' war das aber kein Problem. Man musste sich aber stärker konzentrieren als sonst, zumal auch etliche Gebirgsstrecken dabei waren. Ansonsten ist die nördliche Hälfte der Baja ausgesprochen langweilig: wüstenähnlich mit Geröll, kleinen Büschen und Kakteen. Nur an der Küste gab es Abwechslung durch Strände. Hat man erst mal die ausufernden Großstädte Tijuana und Ensenada hinter sich, gibt es für mehrere hundert Kilometer nur noch armseligste Dörfer. Zu dieser Zeit hatten wir 3 Tage Regen. Da außer der Mex 1 die Dorfstraßen nicht befestigt sind, versanken die Leute im Matsch und unser Auto sah 'aus wie Sau'. Und fast überall an den Straßenrändern lagen Unmengen von Müll!
Immer wieder winkten uns Menschen fröhlich zu. Vorsichtshalber haben wir an der Windschutzscheibe ein großes Schild "Alemania" angebracht. Alle Kanadier und Europäer teilen deutlich ihre Nationalität mit. Die Mexikaner sind offensichtlich den Amerikanern, den "Gringos", nicht immer freundlich gesinnt. Das liegt einmal daran, dass sie ja früher Californien, Arizona, New Mexico und Texas abgeben mussten. Und heute werden mex. Einwanderer oder Illegale nicht immer angemessen behandelt, obwohl sie z.B. für die Landwirtschaft dringend benötigt werden. Wir haben auch die riesige Mauer gesehen, die die USA an der Grenze bauen. Das weckt ganz schlimme Erinnerungen.

Unser erstes Ziel war Guerrero Negro, eine kleine Stadt, die hauptsächlich von der Salzgewinnung aus den umliegenden Lagunen lebt. Im Winter tauchen hier hunderte von Grauwalen aus Alaska auf, die in den flachen, warmen Lagunen kalben. Das stark salzhaltige Wasser gibt den noch ungeschickten Kälbern den nötigen Auftrieb. Mit kleinen Booten werden dann auch Touristen an die Wale herangeführt, die sich angeblich manchmal sogar anfassen lassen sollen. Leider waren wir ein paar Wochen zu früh dort. Dafür fanden wir aber herrliche Muscheln.

Hier überquerten wir die Grenze zum nächsten mex. Bezirk "Baja Sur", wo es eine Straßensperre für Obstkontrollen gab. Die Mexikaner wollen damit die Verschleppung von Obstfliegen vermeiden. Weil nun aber niemand weiß, welches Obst aktuell auf dem Index steht, hielt ich dem freundlichen Beamten unsere gefüllte Kühlschrankobstlade hin. Er schaute sorgfältig und nahm schließlich 4 der 9 Mandarinen. Hat uns sehr amüsiert!

Die erste größere Pause in Mexico legten wir ein an der Playa El Requeson südlich von Mulege. Dieser Traumstrand am Golf von Kalifornien war genau das, was wir gesucht hatten. In Mexico wollten wir nämlich nicht die antiken Stätten in der Mitte oder im Süden besichtigen, dazu hätte die Zeit nicht gereicht, sondern schlicht relaxen. Die äußeren Bedingungen dazu waren erstklassig: Sonne pur und tagsüber T-Shirtwetter. Abends kühlte es sehr schnell ab, aber wozu gibt es gute Gasheizungen in Wohnmobilen. Insgesamt standen dort etwa 10 Wohnwagen und -mobile direkt am Wasser mit Windschutzhütten aus Palmblättern. Das Ganze kostete umgerechnet 4 Euro pro Nacht. Es waren lediglich wenige Plumpsklos vorhanden, die sich aber nur zum Ausschütten der bordeigenen Toiletten eigneten. Trinkwasser wurde immer in Kanistern von den Nachbarn mitgebracht, die ins 40 km entfernte Mulege zum Einkaufen fuhren. Kuchen, Fisch, Obst und Gemüse wurde von einheimischen Händlern vom Auto aus am Strand verkauft.

Ein buntes Völkergemisch hatte sich da versammelt: außer uns Holländer, Spanier, Österreicher und Kanadier. Das gab immer wieder Anlass zu netten Gesprächen und wir spielten Boccia. Besonders lustig wir die Vorbereitung der Fotos für die Weihnachts-E-Mail der einzelnen Paare. Die jungen Spanier legten sich dazu äußerst dürftig bekleidet und mit holländischen Nikolausmützen dekorativ in den Sand und es fehlte nicht an Zuschauern mit lustigen Kommentaren. Leider gab es an diesem Strand keine Telefoniermöglichkeit, wir wollten aber gerne noch die E-Mails abschicken und mit der Familie telefonieren. So fuhren wir nach 8 Tagen weiter nach Loreto mit einem gut ausgestatteten Campingplatz, wo wir uns auch über die Weihnachts-E-Mails aus Deutschland freuten. Dort trafen wir eine Dortmunder Familie, die wir schon in Vancouver / Kanada getroffen hatten. So hatten wir Heiligabend nette Gesellschaft, sind zusammen in dem hübschen Ortskern Loretos essen gegangen und haben anschließend bei einem von uns mit Sternen geschmückten Kaktus neben den Wohnmobilen ganz fidel weitergefeiert.

Unser nächstes Ziel war La Paz , Hauptstadt der Baja. Hier gibt es eine besonders schöne kilometerlange Seepromenade. 25 km weiter befindet sich wieder ein Traumstrand, die "Playa Tecolote", sogar mit 3 kleinen Restaurants. Dort standen wir kostenlos bis zum 2. Januar, machten Strandspaziergänge und schauten Pelikanen zu, die ruhig durch die Luft segelten und dann im Sturzflug runterschossen und Fische schnappten. Ober wir beobachteten Möwen, die immer wieder hochflogen und Muscheln fallen ließen, um sie so zu knacken. Oft waren etliche Versuche dazu notwendig. Eine Idylle! Hoffentlich langweile ich nicht mit diesen Kleinigkeiten. Aber gerade sie runden das Bild ab.
Da dieser Strand in dem Reiseführer "1000 Tage durch Nordamerika, Australien und Neuseeland" beschrieben wurde, fanden sich hier auch mehrere deutsche Paare ein, u.a. Dresdener mit einem umgebauten DDR-Armeefahrzeug und ein Ehepaar aus Franken. Als wir gemütlich in deren Laika saßen, stellte sich heraus, dass sie die Grünthalers waren, die dieses Buch geschrieben hatten.

Von Pichlingue aus, dem Hafen von La Paz, nahmen wir die Fähre nach Topolobampo auf dem mex. Festland. Die Fahrt dauerte über 6 Stunden, dabei sieht der Golf von Californien auf Karten gar nicht so breit aus. Von dort aus ging es in Etappen nach Norden. Die Autobahn zwischendurch war wirklich gewöhnungsbedürftig, etliche Kreuzungen, auch von Sandwegen, viele tiefe Schlaglöcher und ab und zu ein entgegenkommender Radfahrer auf der Überholspur! Nun ist sicher klar, weshalb vom nächtlichen Autofahren in Mexiko abgeraten wird. Unterwegs wie gehabt Wüstenstrecken mit Geröll, kleinen Sträuchern und Kakteen, aber auch Landwirtschaft mit Bewässerung. Der Mais stand Anfang Januar um 50 cm hoch und Viehzucht findet wegen der Wärme völlig ohne Ställe statt, höchstens mal mit einem Schattendach.

Auf der Ostseite des Golfes von Californien blieben wir jeweils mehrere Tage in San Carlos und Bahia Kino, kleine Orte mit sehr schönen Stränden, die sehr beliebt bei amer. und kan. Winterflüchtern sind. Aber es gibt keinen Trubel. Alles passt sich der geruhsamen mex. Lebensführung an. Das hat was! Wir haben besonders den sehr leckeren mex. Kuchen und Fisch und Shrimps in allen Variationen genossen, dazu Margaritas und Pina Coladas.

Und natürlich gab es auch hier wieder viele Gespräche. Ein kan. Ehepaar schilderte uns sehr redegewandt die Schönheiten ihrer Heimat Neufundland während des kurzen Sommers und lud uns ein. Da juckte es schon wieder!
An einem Tag brauchten wir eine Jumbosicherung für die Autobatterie und Gerd fragte auf dem Campground nach, wo man sie kaufen könnte. Ein Mexikaner meinte zu ihm, er käme in ein paar Minuten vorbei. Er brachte uns tatsächlich eine neue Sicherung und dabei stellte sich heraus, dass er zum Kauf extra in den 10 km entfernten alten Ortskern gefahren war.

In 6 Wochen gewinnt man allerdings nur einen sehr oberflächlichen Eindruck und außerdem haben wir uns nicht in Problemgebieten aufgehalten. Aber wir haben durchaus den Müll und die Armut der Menschen gesehen, z.B. gibt es viele Wohngebiete, die nur aus einfachsten Hütten bestehen. Dem gegenüber stehen die teilweise herrliche Landschaft (wenn man trockene Gebiete mag) und die Freundlichkeit und Ruhe der Menschen. Nur Sombreros tragende Mexikaner sahen wir nicht. Vielleicht lag das an der fehlenden Sommergluthitze, vielleicht sieht man sie aber auch nur so oft wie Deutsche mit Lederhosen.Wenn es möglich wäre, würden wir gerne wiederkommen.

Am 20. Januar sind wir wieder in den USA gelandet. Von der Landschaft her befinden wir uns immer noch im gleichen Gebiet der grenzüberschreitenden "Sonora Desert". Vor 11 Jahren wurden hier rundum Tucson, Arizona allerdings Teile der Wüste zu einem Naturschutzgebiet, dem "Saguaro National Park" erklärt mit allem, was dazu gehört: einem Visitor Center mit viel Anschauungsmaterial und Filmvorführungen, wunderschönen Trails und unberührter ursprünglicher Landschaft. Dazu gehörte auch wieder ein Campground mit riesigen Stellplätzen inmitten der verschiedensten Kakteen.

Von dort aus machten wir eine Wanderung mit einem Ranger, der uns die Besonderheiten von Kakteen (Bild) erklärte. So haben sie z.B. einen ganz festen Holzkern, in den sogar Spechte ihre Nisthöhlen bauen. Das Holz der langen hohen Saguaro-Kakteen wurde auch als Bauholz benutzt. John Wayne hat in einem Film angeblich mal mit einer Machete die Spitze eines Kaktus abgehauen und dann Wasser daraus geschöpft. In Wirklichkeit geht das nicht, man kann allerdings die Früchte der Saguaros essen, was wir auch probiert haben. Sind durchaus genießbar.

Manchmal haben wir es mit den Gegensätzen. In der Gegend um Tucson wimmelt es von Air Force. U.a. waren hier bis 1983 einige der 54 Titane II Missile Interkontinentalraketen mit Atomsprengköpfen in unterirdischen Anlagen abschussbereit verborgen. Nach Auflösung dieser Anlagen als Folge der Waffenabrüstungsabkommen erklärte man eine zum Museum. Wir haben eine Führung mitgemacht und uns den tiefen Raketenschacht und die unterirdische Kommandozentrale angeschaut. Es graust doch ziemlich, wenn man daran denkt, was ein durchgeknallter Präsident hätte anrichten können. Diese Raketen waren ständig einsatzbereit und wären innerhalb kürzester Zeit losgeschossen.

Morgen geht es weiter Richtung New Mexico und Texas zum Golf von Mexico.

6. Reisebericht vom 7. April 2008

Unser 5. Reisebericht endete Ende Januar in Tucson/Arizona.
Anschließend stand das Thema Wildwest-Romantik/Klischee im Vordergrund und es ging nach Tombstone. Als frühere Silberminen als Erwerbsquellen in diesem kleinen Ort ausschieden, erinnerte man sich an den ehemaligen Mitbürger Wyatt Earp und stellte Fremdenverkehr mit früherer Wildwestvergan-genheit in den Vordergrund. Das ist auch sehr anschaulich gelungen mit alten Holzhäu-sern, Holzbürgersteigen, auf alt getrimmten Restaurants und Läden mit entspre-chenden Waren und verkleidetem Personal. Und auf den Sandstraßen der Ortsmitte gab es natürlich Pferdewagen und -kutschen. U.a. schauten wir uns eine nachgespielte Schießerei von Wyatt Earp an. Klamauk natürlich, aber ganz lustig. Auch das gehört zu Amerika.

Nächste Station war Bisbee, bekannt durch über 30 Kupferminen, stillgelegt seit etwa 30 Jahren. Theoretisch könnte immer noch gefördert werden, aber Import ist billiger. Dort fuhren wir mit einem kleinen Zug in eine Kupfermine ein. Das war besonders interessant, weil der Führer ein ehemaliger Arbeiter dort war, der uns die alltägliche Situation der Bergleute anschaulich schildern konnte. So zeigte er uns einen "honeywaggon", eine Art Lore mit Tank und Sitzgelegenheit obendrauf mit der Funktion eines "restrooms". ("Toilet" würde ein Amerikaner niemals sagen.)

Nur Friede, Freude, Eierkuchen? Nein, nun war mal endlich wieder eine Panne dran. In Las Cruces / New Mexico gab der Akku des Laptops den Geist auf und ließ sich nicht mehr laden. In einem großen Fachgeschäft hätte man uns auch einen neuen Akku von Medion, andere passen nicht, besorgen können, aber das hätte knapp 600$ gekostet. Schock!
Ein neuer Laptop mit 160 GB-Festplatte, eingebauter Webcam usw. usw. kostete aber sogar ein paar $ weniger. Da war die Entscheidung leicht, zumal Gerds Laptop in Schüttorf sowieso abgängig war. Den Akku von Heddas Laptop werden wir erst in Deutschland besorgen und Gerd freut sich über das Schnäppchen. Wir brauchen nur noch einen guten Tipp in Sachen Zoll. Allerdings besitzen wir nun eine amerikanische Tastatur und da fehlen die deutschen Umlaute und das "ß". Aber da kann man sich behelfen.
Außerdem haben wir vor Ort die beiden Wohnraumbatterien ersetzen lassen. Das war wohl bei Dauerbeanspruchung nur normaler Verschleiß, ging problemlos und war preiswerter als in Deutschland.

Nun ging es Richtung Alamogordo durch einen riesigen ebenen Talkessel, fast alles Militärgelände. Die US-Army ist übrigens überall so stark präsent, dass es uns manchmal echt auf den Geist ging. Auf jeder Durchgangsstraße in Südtexas wollte eine Militärkontrolle unsere Pässe sehen. Man hofft, auf diese Weise Illegale aus dem ganz nahen Mexiko abzufangen. Da diese Wüstengegend früher kaum besiedelt war, wurde hier die erste Atombombe gezündet, in Anwesenheit von zum Zuschauen befohlenden Soldaten. Denen ging es dann nicht mehr lange gut. Heute ist Alamogordo eine Großstadt mit vielen deutschen Einwohnern (u.a. Bundeswehr, Luftwaffe).
Mitten in diesem , heißen und trockenen Talkessel liegt das "White Sands National Monument", ein Naturschutzgebiet mit 275 Quadratmeilen weißen Dünen aus winzigen Gipskristallen. Das sieht aus wie Schnee. Umwerfend!

Auf Gerds besonderen Wunsch - so hat jeder seine Macke - fuhren wir anschließend nach Roswell, wo UFOs gesichtet worden waren. Kein Wunder, diese heiße kahle Landschaft ohne Baum und Strauch rundherum ist so öde, da bieten eben Luftspiegelungen und Visionen interessante Ablenkung. Das große Museum dazu war absolut kein Highlight, zum großen Teil nur Fotos (vergleichbar mit Nessie in Schottland) und Zeitungsausschnitte. Gerd gab es dann den Rest, als man sich auch noch großartig auf Erich von Däniken bezog.
Und weil in diesem Ort ja sonst nichts los ist, müssen überall die Außerirdischen herhalten. Ob beim Bäcker oder Schlachter, überall ist mit Bildern oder Puppen von Außerirdischen dekoriert.

Unser nächstes Ziel waren die Carlsbad Caverns. Diese Höhle ist nicht nur die größte zugängliche der Erde, sondern auch wunderschön. Fast drei Stunden dauerte die Besichtigung, die Hälfte davon mit Führung. Das war nun wirklich wieder ein Highlight.

Danach steuerten wir in Texas den Big Bend National Park am Rio Grande und der mexikanischen Grenze an. Auch dieser Park wieder großartig, diesmal mit drei Landschaften: Gebirge, Wüste und Flußaue. Der "Rio Grande" macht bis dahin seinem Namen keine Ehre. Er hat teilweise nur Vechtebreite. Auch hier hatten wir wieder deutsches Sommerwetter und nun war es nachts wieder wärmer, denn die letzten Wochen hatten wir uns in Höhen über 1000m aufgehalten und da wird es nach dem Verschwinden der Sonne kühl.
Langsam arbeiteten wir uns Richtung Golfküste in Texas vor. Unterwegs recht trockenes, ebenes Land, viel Weidewirtschaft mit riesigen Ranchen und überall Gas- und Erdölförderanlagen und Petrochemie, aber landschaftlich total langweilig. Da muss man halt durch, wenn man weiterkommen will.

Bei Del Rio am Amistad Stausee des Rio Grande trafen wir Brigitte und Uli aus Dortmund wieder. Das wurde wieder ein munterer Abend! Nachts weckte uns ein lautes Blechscheppern und am nächsten Morgen wurde die Bescherung deutlich: Der Deckel des nahen Blechmülleimers war runtergeschmissen worden und unsere Mülltüte vom letzten Tag lag zerfetzt in den umliegenden Büschen, drum herum unser Müll, total durchwühlt. Das konnte nur der Waschbär gewesen sein, den wir schon in der Nähe des Womos gesehen hatten. Zu unserer Freude sahen wir nun auch hier endlich wild lebende Gürteltiere, die mit ihrem Schuppenpanzer so vorzeitlich aussehen.

Bei Lake Corpus Christi gelangten wir an die Golfküste, der wir bis Florida folgen wollten. Diese Küste ist so ganz anders als wir es in Mitteleuropa gewohnt sind, durchwoben von unzähligen Wasserläufen, total flach mit vielen Sümpfen. Die Strände befinden sich überwiegend auf vorgelagerten Halbinseln, Lagunen und Inseln. Da zu dieser Jahreszeit die Mücken noch kein Problem darstellen, konnten wir uns mit Muße die Schönheiten dieser Sumpflandschaft ansehen. Südlich von Houston/Texas suchten wir einen Übernachtungsplatz und landeten zufällig im Brazos Bend State Park, wo es nur so wimmelte von den typischen Bewohnern dieser Sümpfe: amerikanischen Alligatoren. Deshalb machten wir eine von Rangern geführte Wanderung mit und ließen uns einiges zu diesen Viechern erzählen. Sie sind zwar auch groß und gefährlich, gehen aber nicht auf Menschen los, wie z.B. Krokodile. Als wir dann am 17. Februar eine Radtour machten, lagen etliche Alligatoren in der wärmenden Sonne am Ufer und sogar auf den Wanderwegen und ließen sich nicht durch die Menschen stören.
Am späten Abend klopfte ein Ranger an unsere Tür und meinte, es hätte eine Sturmwarnung gegeben, könnte sein, dass der Park auch etwas abbekommen würde. Soviel Authentizität war doch sehr unheimlich! Wir standen zwischen großen dicken Bäumen. Ein Albtraum, wenn Bäume oder dicke Äste auf unser Wohnmobil fallen würden! Deshalb fuhren wir mit anderen Campern auf den nahegelegenen Parkplatz ohne Bäume. Mehrere Zelter versammelten sich bei den gemauerten Toilettenhäusern. In Erwartung des Grauens rutschte uns das Herz ziemlich in die Hose. Der Sturm kam dann aber doch nicht bis zum Park. Dafür gab es ein starkes Gewitter, wie wir es noch nie erlebt hatten. Eine aufregende Nacht! Am anderen Morgen strahlte wieder fröhlich die Sonne und Alligatoren blinzelten, als wenn nichts gewesen wäre.

Wenige Tage später überquerten wir die Grenze nach Lousiana und kamen in das "Arcadian"-Gebiet bei Lafayette, wo um 1800 arme franz. Farmer siedelten, die von den Engländern aus Arcadia / Nordostkanada vertrieben worden waren. Wir schauten uns ein Museumsdorf dieser Siedler an und besichtigten bei New Iberia eine alte Reismühle, die heute noch in Betrieb ist.
Dort liegt auch die Tabasco Fabrik, wo die auch bei uns bekannte, berühmte originale Pepper Sauce hergestellt wird. Diese Gewürzsoße besteht aus zerkleinerten peppers (Chilischoten), die 3 Jahre in alten Whiskeyfässern gären und dann mit Essig verflüssigt werden. Interessant! Es gab viele Kostproben!

Anschließend kamen wir in das Plantagengebiet am Mississippi. Hier wird Zuckerrohr angebaut, auch heute noch. Mehrere Herrenhäuser sind nicht mehr bewohnt, aber und zu besichtigen. Die Oak Alley Plantation und die Laura Plantation haben wir uns angesehen und waren sehr beeindruckt vom Reichtum dieser Familien. Die Oak Alley Plantation ist berühmt wegen der Allee aus uralten "live oaks", einer Eichenart. Auf der Laura Plantation waren auch noch Sklavenhütten erhalten, ein Raum pro Familie, nachts wurde auf dem Fußboden geschlafen. Was für Gegensätze! Natürlich hatten die Plantagen-besitzer auch noch prächtige Stadthäuser in New Orleans.

Südwestlich von New Orleans gönnten wir uns eine Airboattour in die Swamps (Sümpfe). Das ist ein kleines, sehr flaches Boot, dessen Motor statt einer Schraube im Wasser ein großes Rad über dem Wasser antreibt. Das Ding kann sehr schnell sein, dann aber auch sehr laut, so dass man Ohrenschützer braucht. Und es gleitet fast schwerelos über Pflanzen, Äste und kleine Wälle hinweg. Der Führer, ein alter Fischer, war ein richtiges Original und die 6 Gäste hatten viel Spaß. Leider war sein breiter Südstaatendialekt kaum verständlich. Dafür sahen wir jede Menge Alligatoren, Nutrias (Biberratten) und einen Weißkopfseeadler.

Nun war New Orleans ganz nah. Die Stadt unternimmt enorme Anstrengungen, um wieder Touristen anzulocken, deren Zahl nach dem Sturm Katrina ( Aug. 2005 ) erheblich gesunken ist. So waren auf dem staatlichen Campingplatz (18$ pro Nacht) sogar Wlan, Waschmaschinen und Trockner kostenlos. Wir besichtigten 2 Tage lang die Stadt und machten unter anderem eine mehrstündige Katrina-Bustour mit. Der schwarze, auch selbst betroffene Fahrer berichtete u.a. sehr anschaulich von den sozialen Unterschieden in der Stadt und dem Schicksal einzelner Familien. Die größten Schäden richtete nicht der Sturm Katrina selbst an, sondern das in die unter dem Meeresspiegel liegende Gebiete reingedrückte Wasser. Das blieb dort mehrere Meter hoch stehen, voller Abwässer, Öl etc. Das vertrugen die mehrheitlich aus Holz gebauten Häuser nicht so gut. Einige Stadtviertel sind auch heute noch ziemlich ausgestorben, Geschäfte, Schulen, Krankenhäuser, Arztpraxen usw. geschlossen. Einzelne Häuserfluchten mussten ganz abgerissen werden. Viele beschädigte Häuser stehen leer oder die Bewohner leben in Wohnwagen davor, die sie von den erst spät erhaltenen Entschädigungen gekauft haben, um irgendwo unterzukommen. Für die Hausreparatur reichte das Geld nicht, so wird immer peu a peu rumgewerkelt. Bei reparierten Häusern erkennt man sehr häufig noch gut die Stellen, an denen von innen die Dächer aufgehackt wurden, um sich vor dem in Minutenschnelle eindringenden Wasser aufs Dach zu flüchten. Villengebiete mit fast nur weißen Einwohnern sind fast ganz wieder in Ordnung. Dort ist genug Geld. Inzwischen wurden auch viele Deiche, Flutmauern und Pumpwerke verstärkt. Die touristischen Stadtteile wie das French Quarter und einige Villenviertel liegen erhöht und haben kaum was abbekommen. Dort lohnt sich das Bummeln nach wie vor. Diese Südstaatenhäuser haben so ein ganz besonderes Flair, was auch uns sehr eingenommen und beeindruckt hat. Und zudem ist es ja auch jetzt besonders wichtig, dass Touristengeld in die Stadt kommt, besonders wegen der Arbeitsplätze in diesem Bereich. Wir haben ein wundervolles Dinnerbüfett mit Live Jazz genossen.

Im März machten wir mehr oder weniger Strandurlaub, immer auf vorgelagerten Inseln oder Halbinseln und in State Parks von Alabama bis Florida an der Küste des Golfes von Mexiko. Der Sand ist dort richtig silbrigweiß und die ersten Leute badeten schon, aber nicht wir Warmduscher. Wir hatten ziemliche Mühe, freie Stellplätze auf den Campgrounds zu ergattern, weil auf den schönsten und preiswertesten noch die kanadischen Überwinterer saßen. So verbrachten wir zwei gesellige Abende mit Barb und John aus Ontario. Die beiden haben ihr kleines Boot in Holland untergestellt und wollen damit u.a. im Sommer den nds. Küstenkanal befahren. Mal sehen, ob es mit einem Treffen dann klappt. Nach der vielen Fahrerei haben wir die Ruhe richtig genossen und auch mit Muße einige Zeit in Outletmalls verbracht. Es war Erinnerungsartikel- und Geschenkebesorgzeit!

Nach Südflorida sind wir nicht mehr gefahren. Das wäre nur Jagerei geworden, außerdem sollen die Strände dort nicht so schön wie in Nordwestflorida sein. Und auf den Rummel dort hatten wir auch keinen Bock. Das war auch richtig so, denn die Verkehrsdichte im Osten in der Nähe der Atlantikküste nimmt fast europäische Formen an und dieser Betrieb reicht uns allemal. Direkt an der Atlantikküste bummelten wir weiter nach Norden, von Florida über Georgia, South Carolina, North Carolina nach Virginia. Unterwegs schauten wir uns u.a. eine ehemalige Reisplantage an und die frühere Millionärsinsel Jekyll Island. Ein richtiges Highlight war die Stadt Charleston in South Carolina. Das soll die attraktivste Mittelstadt der USA sein. Wir haben zwar wenig Vergleiche, aber das wird wohl stimmen. Die Altstadt besteht fast nur aus gut erhaltenen 2-3-stöckigen georgianischen Häusern mit Säulen und großen Balkonen (Bild), dazwischen oft Gärten mit vielen blühenden Bäumen, richtig romantisch. Wir haben eine Stadtrundfahrt mitgemacht, das Stadtmuseum besucht, eine Villa besichtigt, auch die Quartiere der dazugehörigen Haussklaven und den früheren Sklavenmarkt, jetzt ein Museum, eine der zu wenigen noch erhaltenen Spuren und realistischen Darstellungen des früheren Sklavenhandels. Außerdem sind wir mehrere Stunden durch Charleston gebummelt und haben einfach die Atmosphäre genossen.

In der Nähe von Myrtle Beach, "dem" Seebad South Carolinas, besichtigten wir Brookgreen Gardens, eine ehemalige Reisplantage, heute eine riesige phantastische Parkanlage mit sehr vielen Skulpturen weltweit berühmter Kuenstler. Wieder ein richtiger Augenschmaus!

Nun befinden wir uns in Williamsburg / Virgina an der Chesapeake Bay, eine total geschichtsträchtige Gegend. 1607 schickte die Virginia Company aus London 104 Männer und Jungen hierher, die Jamestown gründeten, die erste englische länger bestehende Siedlung in Amerika. In der ersten Zeit starben die meisten Männer an Hunger und Krankheiten. Aber dann ging es langsam aufwärts, auch mit Hilfe der Indianer, welche später vertrieben wurden, wie so häufig. Einer der Männer heiratete die Indianerin Pocahontas (durch Film bekannt). Bald begann man mit dem lukrativen Tabakanbau und viele neue Einwanderer kamen hinzu. Schon 1619 wurden afrikanische Sklaven geholt und ein Jahr später kamen 90 unverheiratete engl. Frauen. Später verlagerte sich die Siedlung nach Williamsburg und heute ist Jamestown, die Wiege der Nation, "a National Historic Site", wo die alten Überreste ausgegraben werden. Das alles ist auch sehr interessant dargestellt, u.a. mit einem nagelneuen, riesigen Informationscenter. Ein Ranger machte sich selbst etwas über den Aufwand lustig - man hätte eben nicht so viel Geschichte.

Einen zweiten Tag verbrachten wir in dem Nachbarort Yorktown. Hier fand die letzte entscheidende Schlacht des amererikanischen Unabhängigkeitskrieges statt. 1781 hatte der brit. Lord Cornwallis Yorktown besetzt und wollte eine Flottenbasis errichten. Naheliegende franz. Truppen (u.a. unter Leitung von Marquis de Lafayette) nahm man nicht Ernst. Dann rückte Washington unter Geheimhaltung mit amer. Truppen von Norden her an und die alliierten Franzosen und Amerikaner kesselten Cornwallis ein, der nach 8 Tagen aufgeben mußte. Die folgenden Verhandlungen zogen sich aber noch bis September1783 hin und (das weiße) Amerika war endlich frei. Das alte Schlachtgelände ist heute sehr anschaulich zum Besichtigen aufbereitet, mit Wällen, Kanonen, vielen Schautafeln usw. Und da es während der Schlacht damals kalt und regnerisch war, hatten wir sinnigerweise das gleiche Wetter. Aber vielleicht sollte das nach der vielen Sonne auch zur leichteren Einstimmung auf Schüttorfer Wetter sorgen?!

In der Innenstadt von Williamsburg hat man Gebäude aus dem 18. Jahrhundert sehr gut erhalten und zeigt in einer Art "living museum" sehr anschaulich das Leben der Kolonialzeit mit Läden ,vielen Handwerkern, Kostümen usw.

Unser nächstes Ziel ist Washington. Naja, dann folgt Baltimore und wir sind wieder am Ausgangspunkt. Wir müssen nur noch unser Womo im Hafen abgeben und hoffen, dass mit dem Papierkram alles glatt verläuft. Der Rückflug geht wieder von Baltimore über London nach Düsseldorf, wo uns Kinder und Enkelkinder abholen werden. Wir freuen uns sehr auf diesen Empfang. Wir werden dann in Dortmund übernachten und uns sicher Unmengen zu erzählen haben. Zu Hause landen wir wieder am 20. April - beide mit etwas mehr Falten und grauen Haaren, eine mit etwas mehr Pfunden. (Das Restaurantessen ist hier überhaupt nicht so schlecht, wie ursprünglich angenommen, es kommt nur darauf an, wo man isst. Es gibt genügend Alternativen zu Fast Food. Außerdem hatten wir genug Zeit, Leckeres zu kochen und dazu noch die vielen Rezepte im Abschiedsbuch der lieben Kollegen! Das geht auf die Hüften!)

Jetzt bleibt uns nur noch wenig Zeit hier. Bislang sind wir sehr zufrieden und auch immer noch erfreut über unseren Mut, sich in dieses "Abenteuer" zu stürzen. Es hat insgesamt wenige Probleme gegeben. Wenn man so bedenkt, was man sonst in einem Jahr so mit Reparaturen am Haus oder mit Haushaltsgeräten und unvorhergesehenen Ausgaben zu tun hat und welche gesundheitlichen Macken man so ab und zu hat, war dieses Jahr doch äußerst friedlich.
Bis obenhin gefüllt mit Erlebnissen, Erfahrungen und Eindrücken und auch dem Bewusstsein, dass es hier noch so viele andere schöne Ecken gibt, würden wir sehr gerne noch länger bleiben. Zum Beispiel ist Gerds geliebte Country Music viel zu kurz gekommen. Aber ach, da kommt die Geschichte mit den zwei streitenden Seelen in der Brust.

Vermissen werden wir mit Sicherheit:
* die freundlichen und hilfsbereiten Menschen,
* die grandiose weite Landschaft und die wunderschönen National Parks und State Parks,
* den außerhalb der ganz großen Städte fast immer stressfreien Verkehr mit manchmal fast leeren Strassen (nicht an der Ostküste), Tempolimit und sehr disziplinierten und geduldigen Autofahrern (kein Gehupe!!),
* die großzügigen Ladenöffnungszeiten und das ausgesprochen freundliche Verkaufspersonal,

Und wir freuen uns u.a. auf:
* Familie und Freunde,
* die Volleyballabende,
* deutsche Zeitungen, nach einem Jahr wieder fernsehen zu können,
* knackige Brötchen, Korinthenbrot, luftgetrockneten Schinken und deutschen Kuchen
* Autofahrer, die beim Anhalten auch den Motor abstellen.

Tschüs bis zu einem neuen Reisebericht !