Ende Januar 2007 beendeten wir unser Berufsleben und machten einen Traum war: eine lange Reise durch Nordamerika. Die Zeit bis zur Abfahrt am 22.4. war total gefüllt mit Vorbereitungen der Fahrt, Versorgung des Hauses und Abschiednehmen von Familie und Freunden.

Zum Abholen der USA-Visa mussten wir extra nach Frankfurt fahren und dort auch übernachten, um pünktlich zu sein. Trotzdem dauerte die Prozedur mit dreimaligem Warten vor verschiedenen Schaltern fast drei Stunden, obwohl alle mitgebrachten Papiere in Ordnung waren. Die Visa sind 10 Jahre lang gültig, aber die entscheidende Länge des USA-Aufenthaltes bestimmt der Einwanderungsbeamte, bei uns der im Ankunftsflughafen in Baltimore.

Es folgten u.a. letzte Arztbesuche, Kauf von Medikamenten für ein Jahr - mit Arztbescheinigung wegens des Zolls, Umstellung der Krankenversicherung auf Anwartschaft, Auseinandersetzung mit der GEZ wg Pausierung der Rundfunk- und Fernsehgebühren, Postumbestellung, Kontobevollmächtigung mit Online-Bearbeitung für unseren ältesten Sohn, Benachrichtigung an Schornsteinfeger, Stadtwerke usw., wer den Schlüssel für unser Haus hat, Klärung der Hausversicherung bei dauernder Abwesenheit, Instruieren der Gartenhilfe usw.,usw. Besonders beruhigend für uns war, dass wir unser Haus in guten Händen wussten.

Ende März brachten wir unser Wohnmobil zum Überseehafen nach Bremerhaven, von wo aus es mit einer Fähre nach Baltimore gebracht wurde. Die Verschiffung des Wohnmobils, Autoversicherung und Flug managte die Firma SEABRIDGE aus Düsseldorf für uns. Das klappte gut und wir bekamen sehr gute Informationen für unsere Reise.

Für den Flug packten wir große zusammenfaltbare Reisetaschen, die wir später gut im Wohnmobil verstauen konnten. Am 22.4.07 ging es endlich los. Zu unserer großen Freude begleiteten uns Kinder und Enkelkinder zum Flughafen nach Düsseldorf. In Baltimore kamen wir pünktlich an, übernachteten im von Seabridge vorbestellten Hotel und konnten am nächsten Tag nach dem Gang zum Spediteur zum Hafen fahren und dort unser Womo abholen.

Leider besaßen wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Homepage. Deshalb stellen wir jetzt nachträglich unsere leicht geänderten Reiseberichte , die wir während der Fahrt per E-Mails nach Hause geschickt haben, ins Netz.

 

1. Bericht vom 10.05.07

Jetzt haben wir uns so langsam an unsere neue Umgebung gewöhnt, so dass wir in Ruhe berichten können, wie es uns so geht und was wir erlebt haben.

Bis jetzt hat alles bestens geklappt. Über Kleinigkeiten, die ärgern, kann man bei unserer langen Reisedauer ganz gelassen stehen. Es ist eine ganz neue Erfahrung, dass während einer Reise die Zeit nicht knapp wird! Der Flug war doch ganz schön anstrengend und erst ziemlich aufregend, weil es in Düsseldorf verspätet losging. Bis mir Trottel (Erdkundelehrerin!) dann einfiel, dass 13:00 Uhr Abflug ab Heathrow ja erst durch die Zeitverschiebung eine Stunde später als noch auf unseren Uhren mit deutscher Zeit war. Das hat uns gerettet.

Dann wurde in London tatsächlich Wert auf nur ein Stück Handgepäck gelegt. Mach das mal bei dem ganzen elektronischen Kram, den wir mitschleppten: Aufladegeräte, Kameras, Tomtom usw. Das mochten wir nicht in unsere Reisetaschen stecken. Und mein Laptop bekam ich beim besten Willen nicht mehr in den Rucksack, wird auch sonst immer extra mitgeführt. Aber der Flughafenangestellte wollte das partout nicht einsehen. Da habe ich eine große Plastiktüte ausgepackt und Rucksack und Laptop reingesteckt. Das ging, war ja jetzt nur noch ein Stück! Ganz schön verrückt! (spätere Anmerkung: Beim Rückflug waren Laptops und Aktentaschen ausdrücklich als zusätzliches 2.Stück Handgepäck erlaubt!)

Der Einwanderungsbeamte in Baltimore hat uns dann noch richtig gelöchert. Gerd erzählte ihm ausführlich, dass er brit. Englisch studiert hätte und sich leider erst jetzt nach der Pensionierung ausführlicher mit dem amerikanischen Englisch beschäftigen könnte. Jedenfalls bekamen wir tatsächlich die Aufenthaltserlaubnis für ein ganzes Jahr. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Entweder machen wir so einen vertrauenswürdigen Eindruck oder der Beamte wollte uns alte … so schnell wie möglich loswerden. Jedenfalls wird jetzt nichts von unserem geplanten Notzwischenaufenthalt in der Dominikanischen Republik, falls wir nur 6 Monate hätten bleiben dürfen.

Das Womo aus dem riesigen Hafen von Baltimore zu bekommen, hat 5 Stunden gebraucht! Und als uns dann nur noch der letzte fertig unterschriebene Schein gegeben werden musste, verzogen sich plötzlich alle Hafenangestellten in diesem Gebäude und machten im Nebenraum eine Stunde Mittagspause. Glücklicherweise hatten wir vorher zwei weitere Ehepaare getroffen, die auch ihre Womos abholten. So machten wir nur Witze darüber, froh nicht zu den auch wartenden LKW-Fahrern mit Terminfracht zu gehören.

Dann wurde das Gepäck vom Hotel abgeholt, Gas und Diesel getankt und zum Schluss mussten wir noch sämtliche Lebensmittel besorgen, da wir ja nichts mitnehmen durften. Das Einpacken auf dem KOA-Campingplatz südlich von Baltimore klappte dann aber nicht so schnell, weil wir uns auf diesem Platz mit den beiden anderen Ehepaaren getroffen haben und viel zu viel zu erzählen hatten. Damit ging dann auch der nächste Tag drauf. Alles hatte geklappt, nichts war kaputt, alle hatten gute Laune, das Wetter war herrlich,… was will man mehr?!

Ab nun fasse ich mich kürzer. Die nächsten Tage verbrachten wir im Amish- Gebiet rund um Lancaster in Pennsylvania, etwa 100km westlich von Philadelphia und besuchten dort u.a. zwei Freilichtmuseen. Aber die Amischen liefen uns auch so immer wieder über den Weg, bzw. fuhren mit ihren Pferdewagen. Große Farmen, aber ohne Autos und Elektrizität! Kühlschränke, Bügeleisen und Lampen werden mit Gas betrieben. Kinder, die aus der privaten Amish-Schule kamen, waren gekleidet wie Erwachsene, die Jungen mit dunklen Anzügen und Strohhüten. Sie fuhren auf altertümlichen Tretrollern mit großen Rädern und winkten uns fröhlich zu. Über mangelnde Kontakte können wir uns auch überhaupt nicht beklagen. Allein die deutsche Autonummer löst immer wieder Erstaunen aus und so entstehen etliche interessante Gespräche. Eine junge Amish-Frau sprach uns auch an, weil ihr unsere Sprache so bekannt vorkam. Sie sprechen nämlich Pennsylvania-Dutch, das kommt von Deitsch, hat also nichts mit Holländisch zu tun.

Über die nördlichen Appalachen fuhren wir dann bis Buffalo am Lake Erie. Zufälle: Noch im letzten Jahr habe ich eine 9.Klasse „John Meynard:…noch 15 Minuten bis Buffalo“ auswendig lernen lassen. Dort sind wir dann über die kanadische Grenze zu den Niagara-Fällen gefahren. Von der kanadischen Seite hat man nämlich den besseren Überblick. Die Fälle sind schon wirklich eindrucksvoll! Der Weg dahin hat sich auch gelohnt. Aber der Touristenrummel! Nun ja, wir gehören ja auch dazu.

Nun sind wir immer noch in Kanada: herrliches Sonnenwetter (warm, obwohl noch vor 4 Wochen Schnee lag) und schöne Landschaft. Erst haben wir uns das Zentrum von Toronto angeschaut und sind dann an der nördlichen Küste des Lake Huron entlanggefahren. Wunderschöne Ausblicke, breite, fast leere Straßen, höchstens 90 kmh, womit ich noch etwas Probleme habe und Gerd mich immer wieder dran erinnern muss.

Jetzt stehen wir auf einem Campingplatz in Sault Ste. Marie in der Nähe der Schleusen zwischen Lake Huron und Lake Superior und werden dann durch die nördlichen Staaten der USA zu den Nationalparks Badlands und Yellowstone fahren.

Zwischendurch bleiben wir immer mal mehr als eine Nacht auf einem Campingplatz in schöner Lage, auch um Wäsche, Post usw. zu erledigen. Einige von den Plätzen haben WLan-Verbindung (WIFI), so dass wir wunderbar E-Mails schreiben und lesen können – auch GN und SPIEGEL online.

2. Bericht vom 19. Juni 2007

Heute haben wir gerade wieder einen so seltenen Campingplatz mit Wlan-Verbindung, so dass wir mal anfangen wollen, unseren Reisebericht fortzusetzen. Meistens übernachten wir nämlich auf forest-campgrounds, weil die landschaftlich am schönsten liegen. Aber da ist natürlich nichts mit Strom, Internet usw. Wollen wir auch meistens gar nicht, weil wir am liebsten die wunderschöne Landschaft genießen. Dafür riecht/duftet ein Teil unserer Kleidung leicht, aber deutlich erkennbar, nach Rauch, weil wir eine nette Angewohnheit der Nordamerikaner angenommen haben, manchmal abends noch am Lagerfeuer zu sitzen. Idyllle pur!

Nach den großen Seen war unsere nächste StationMinneapolis. Dort haben wir u.a. das Mill City Museum besichtigt. Minneapolis ist die Stadt der Getreidemühlen, wo das Getreide von weither zu Mehl verarbeitet wurde. Bei einem Wasserfall des Mississippi wurde Wasser für Turbinen abgezweigt, mit denen die Maschinen riesiger Mühlen betrieben wurden. Das Museum ist in der damals größten Getreidemühle der Welt untergebracht, sieht aus wie die alte mehrstöckige Fabrik, nur viel größer. Die Form der Darstellung hat uns besonders fasziniert. U.a. gab es dort einen Aufzug für ca. 30 Leute, der auf mindestens 6 Etagen hielt und wenn sich die Tür öffnete, blickte man in ganz authentische Räume/Stationen der Mehlherstellung mit Möbeln, Maschinen usw. Dazu wurden passende Videofilme gezeigt, Arbeiter erzählten aus ihrer Sicht usw. Natürlich hielten sich in dem Museum auch Klassen auf. U.a. gab es auch eine riesige Küche, wo Kinder mit Mehl Experimente machten, aber auch backten.

Und die nächsten hunderte von Kilometern gings immer geradeaus durch die Central Plains mit riesigen Getreidefeldern und sehr wenigen kleinen Ortschaften. Für uns war diese weite Einöde ganz interessant, weil so ja nicht bekannt. Aber Amerikaner stöhnten ziemlich laut, das wäre sooo eine langweilige Strecke. Es gibt ja auch keine Alternative, es sei denn, man fliegt.

Nächstes größeres Ziel waren die Badlands, eine Art Abbruchkante zwischen oberer und unterer Prairie, durch Erosion total zerklüftet. Wir haben mehrere kleine Wanderungen durch diese bizarre Gegend gemacht, oft beobachtet von etlichen Prairiehunden, die ja wirklich putzig aussehen. Etwas nervös machte uns nur die häufige Warnung vor Klapperschlangen, obwohl wir ja wohl gerne eine gesehen hätten.

Weiter ging die Fahrt zum Mount Rushmore, wo die Köpfe der angeblich wichtigsten 4 Präsidenten Washington, Jefferson, Th. Roosevelt und Lincoln in Stein gehauen wurden. Gigantisch! Die Amerikaner sind begeistert! Aber ehrlich, die ganze Anlage ist allein auch schon durch die Einbettung in die Umgebung wirklich sehenswert. Und nicht weit entfernt schlägt man nun als Gegenstück den Indianerhäuptling Crazy Horse aus dem Felsen, aber natürlich viel größer als die Präsidenten. So gehört sich das auch!

Dann ging es mit einer landschaftlichen Attraktion nach der anderen weiter. Einmal die endlose Prairie mit den weiten Weideflächen und noch weniger Menschen als vorher, dann aber immer wieder unterbrochen von Nationalparks mit tollen Canyons, heißen Quellen, Restareas an wunderschönen Seen usw.

Nächster Höhepunkt war der Yellowstone Nationalpark. Der Geysir Old Faithful schoss pünktlich wie immer nach oben und wir hatten drei Tage Ende Mai dort herrliches Sommerwetter. Im letzten Jahr um diese Zeit lag dort noch Schnee. Bisons sahen wir diesmal in Massen und an einem Abend konnten wir auf dem Campground das Wohnmobil nicht verlassen, weil direkt davor ein großer Bisonbulle graste.

Inzwischen haben wir auch schon 5 Schwarzbären gesehen, immer direkt an der Straße. Eine Tierbegegnung wäre fast ungemütlich geworden. Da flog uns ein richtig fetter Truthahn ca. 2m vor der Windschutzscheibe lang. Wir wussten gar nicht, dass diese Viecher so gut fliegen können.

Nördlich vom Yellowstone wurde es dann kühler, eher normal in den Rocky Mountains. An einem Morgen waren wir sogar eingeschneit. Aber wir haben ja Zeit und am nächsten Tag waren die Straßen freigetaut.

Nächstes Ziel war der Glacier National Park und auf kanadischer Seite der Waterton Lakes Park, beide mit herrlichem Hochgebirgspanorama.

Danach verbrachten wir zwei Tage in Calgary, wo sich immer noch vieles um die Winterolympiade von 1988 dreht.Wir fanden besonders die vielen Walkways interessant. Das sind Gänge, die die vielen Hochhäuser ca. 5m über Straßenniveau verbinden und für jedermann zugänglich sind. So schlägt man in diesen klimatischen Regionen Kälte und Regen ein Schnippchen. Wir haben uns einen Spaß daraus gemacht, einen Teil unseres Stadtbummels nur per Walkway zu absolvieren, sind so z.B. durch Einkaufszentren, Bürogebäude und Hotels marschiert und konnten zwischendurch immer wieder den Verkehr von oben betrachten. In einem Gebäudekomplex war im 4.Stock ein richtiger Park angelegt mit Bächen, Teichen (natürlich mit Fischen), Büschen und vielen blühenden Blumen. Dazu gab es etliche gemütliche Sitzecken und einen Spielplatz. Das war alles kostenlos. So verbrachten auch etliche Berufstätige dort ihre Mittagspause.

Anschließend fuhren wir durch den Banff und den Jasper Nationalpark den Icefield Parkway 300km nach Norden, zu beiden Seiten schneebedeckte Bergketten mit lauter Dreitausendern. Das soll angeblich die schönste Bergstraße der Welt sein. Nun neigen zwar Amerikaner zu Übertreibungen, aber nicht so sehr die Kanadier. Und so wird wohl was dran sein. Es wimmelt von grünschimmernden Bergseen, Wasserfällen und Gletschern.

Und – wichtig – Gerd hat endlich den langgewünschten Hut gekauft. Dank eindringlicher Beratung ist er denn auch ganz erträglich ausgefallen.

Nach 8000km und vielen Erlebnissen sind wir nördlich von Dawson Creek auf den Alaska Highway gestoßen. Bis zur Grenze zwischen Canada und Alaska waren es von dort allerdings immer noch rund 2000 km. Bis jetzt (3Tage später) war die Straße immer ausgezeichnet, wie eine gute Bundesstraße mit breiten Seitenrändern.

Heute sind wir in Watson Lake am Südrand des kanadischen Yukon Territory gelandet. Hier steht der berühmte Signpost Forest. Der Wald besteht aus lauter Pfählen, an die -über etliche Jahre hinweg- über 50000 Besucher Schilder genagelt haben. Und immer werden von der Gemeinde neue Pfähle aufgestellt. Wir haben uns natürlich auch verewigt, mit noch zu Hause angefertigten Schildern.

Inzwischen trafen wir etliche Camper, die gerade aus Alaska kamen und ganz begeistert waren. Der Alaska Highway soll auch weiter nordwärts in gutem Zustand sein. Also sind wir guten Mutes, ganz gespannt und tuckern fröhlich weiter.

3. Bericht. 25. 08. 07

Geendet hatte der letzte Bericht von Ende Juni damit, dass wir den Alaska Highway erreicht hatten. Diese Straße wurde innerhalb weniger Monate im 2. Weltkrieg gebaut, weil die Amerikaner berechtigt einen japanischen Angriff auf die Aleuten erwarteten. Die Kanadier hatten nicht soviel Interesse an diesem Highway, trugen aber ihren Teil auf ihrem Gebiet dazu bei. Die Asphaltierung erfolgte allerdings erst viel später.

Nach Watson Lake ging es den Alaska Highway weiter bis Whitehorse am Yukon, 450 km ohne nennenswerte Siedlung dazwischen, nur ab und zu mal eine Tankstelle, oft dann mit Motel und Lebensmitteln. Total tote Hose und das finden etliche Leute auch langweilig. Wir aber nicht und die vielen Deutschen, die wir unterwegs getroffen haben, auch nicht. Die Landschaft, durch die der Alaska Hwy führt, ist so umwerfend, dass der jeweilige Beifahrer nicht mal zum Lesen gekommen ist, wie sonst üblich, weil es einfach zu viel zu sehen gab, immer wieder Tiere, Gebirge, riesige Flusstäler voller Sedimente, usw.

Whitehorse ist für die nächsten 1000 km bis Fairbanks offensichtlich die Versorgungsstadt für Womos. Allein 4 deutsche Fahrzeuge trafen wir bei Wal-Mart, die da natürlich auch übernachteten. Zwei von denen sind schon die Panamericana von Feuerland aus hochgefahren. Für uns ergab sich da auch die schöne Gelegenheit, deutsche Bücher auszutauschen und zu quatschen.

Bei der Grenze nach Alaska war dann deutlich zu sehen, dass wir uns schon auf Permafrostbodengebiet befanden. Ca. 80 cm taut der Boden nur im Sommer auf, ziemlich kompliziert für Haus und Straßenbau. So hat denn die Straße auch öfter mal heftige Wellen und Aufbrüche, weil der Untergrund arbeitet. In der kurzen Sommerzeit wird darum an vielen Stellen geflickt. Man sieht auch sehr häufig schräg stehende, schmale Fichten, denn das Wasser im aufgetauten Boden kann nicht in den Permafrostboden absickern. Im Matsch verlieren die Wurzeln der Bäume ihren Halt und die Stämme fangen an zu kippen, weshalb sie auch ‚tanzende Bäume' genannt werden.

Von Whitehorse bis Fairbanks, 935 km, haben wir 5 Tage gebraucht, weil wir so oft Pausen gemacht haben und herrliche Forest-Campgrounds hatten. Unterwegs sahen wir dann auch die Alaska-Pipeline. Die Rohre haben einen Durchmesser von ca. einem Meter und wurden auf Trägern oberirdisch verlegt. Unterirdisch war nicht möglich, weil durch das ‚warme' Öl die Rohre den Permafrostboden unter ihnen auftauen und sie somit einsinken würden.

Fairbanks hat uns gut gefallen. Neben Museumsbesuchen wie üblich -erwähnen wir auch nicht immer- besichtigten wir dort den botanischen Garten der Alaska-Universität. U.a. gab es dort riesige Kohlköpfe und tolle Blumenbeete zu sehen. Erstaunlich, was in der kurzen Wachstumszeit von Mitte/Ende Mai bis Mitte September dort wächst. Viel macht auch die lange tägliche Sonnenscheindauer im Sommer aus. In ganz Alaska haben wir keine richtig dunkle Nacht erlebt. Obwohl wir uns südlich vom Nordpolarkreis aufhielten, dämmerte es noch lange, nachdem die Sonne unterging und lange, bevor sie wiederkam. Und da wir ja nun mal unverbesserliche Nachteulen sind, wurden wir gar nicht richtig müde und kamen natürlich morgens auch erst spät in die Pötte.

In Fairbanks haben wir auch eine 4-stündige Flusstour mit einem Schaufelraddampfer gemacht und uns unterwegs eine Schlittenhundezucht und -ausbildung, ein Museumsindianerdorf mit mehreren Vorführungen und Wasserflugzeugstarts und-landungen angesehen. Das hat sich wirklich gelohnt.

Nächste Station war der Denali-Nationalpark mit dem höchsten Berg Nordamerikas, dem Mount McKinley, knapp 6200 m. In diesen Park kommt man nur mit öffentlichen Bussen auf Schotterstraßen. Die Busse sind genau wie amerikanische Schulbusse, aber nicht gelb, sondern grün und sehr unbequem. 100 km sind wir damit in den Park gefahren. Das dauerte mit vielen Stopps 8 Stunden und hat auch wirklich Spaß gemacht, allein schon wegen der herrlichen Landschaft, meistens Tundra mit vielen blühenden Wiesen. Und der Gipfel des Mount McKinley ließ sich auch blicken. Meistens ist er nämlich umwölkt. Wir hatten auch wieder richtiges T-Shirtwetter, wie oft in Alaska. Überhaupt fällt dort im Binnenland nur etwa ein Drittel so viel Niederschlag wie bei uns, obwohl die Schneedecke mindestens 7 Monate fest liegt. Dieser Schnee ist aber so trocken, dass sich keine Schneemänner bauen lassen. Eigentlich wollten wir ja hauptsächlich Bären dort sehen. Aber denen war es wohl zu warm. Ein hellbrauner Fleck am Berg sollte eine Grizzlymutter mit Jungem sein. Wir haben es dann mal geglaubt!

Am anderen Tag wanderten wir 2 Stunden mit einem Ranger durch den Park. und er erklärte uns z.B., von welchen Blumen man die Blätter für Salat benutzen kann und dass man in den nördlichen Wäldern immer laut sein muss, um von Bären gehört zu werden, die sich dann verzögen. Das ist für uns schon ziemlich ungewohnt.

Auf einem Campground in der Nähe haben wir dann Gisela und Eilert aus Tossens getroffen, sie auch pensionierte Lehrerin. Das wurden zwei ziemlich lange Nächte mit Rotwein! Die beiden haben uns auch auf die Idee mit Internettelefonie mit Skype gebracht und es uns gezeigt.Daraufhin haben wir uns später in Anchorage ein Headset gekauft und mit unseren Lieben telefoniert. Wir waren richtig stolz, als das klappte. So sind alte Knöppe doch noch lernfähig. 1,7 Cent kostet so eine Minute Anruf ins deutsche Festnetz. Wahnsinn! Marcus ließ sich nicht lumpen, legte sich auch ein Headset zu und aktivierte Skype. Jetzt können wir sogar kostenlos zwischen beiden PCs telefonieren. Aber inzwischen sind wir schon wieder weiter. Marcus hat jetzt eine kleine Webcam und wir konnten ihn und Judith schon auf dem Bildschirm sehen. Und da sie uns jetzt auch sehen sollen, haben wir uns auch so eine kleine Camera für ca. 20 € zugelegt. Das wird sicher ganz lustig. Blöd dabei ist, dass man immer WiFi -Anschluss braucht für den eigenen Laptop und den gibt's nur auf wenigen Campgrounds. In Anchorage haben wir uns einfach vor ein großes Hotel mit unverschlüsseltem Internetanschluss gestellt, nach Tipp von anderen Campern. Das klappte ganz gut, ist natürlich nicht ganz legal, aber praktisch. Wir haben auch kein schrecklich schlechtes Gewissen. In Anchorage wird sogar überlegt, die ganze Stadt mit öffentlichen Hotspots auszustatten.

In Anchorage haben wir u.a. das Alaska Indian Heritage Center besichtigt. `Center' wird tatsächlich bei den US-Amerikanern hinten mit er geschrieben, bei den Kanadiern wieder 'Centre'. Hier werden Behausungen, Werkzeuge, Schmuck, Totempfähle usw der 5 verschiedenen Ureinwohnergruppen gezeigt und Handwerker führen auch einzelne Tätigkeiten vor. Dazu kommen dann noch Tänze, Filme und Erklärungen von Ureinwohnern in den einzelnen Erdhäusern oder Langhäusern draußen. Ein ausgezeichnetes Heritage-Center! In der offiziellen Sprache wird übrigens nicht mehr von Indianern und Eskimos gesprochen, sondern man nennt diese Ureinwohner jetzt 'First Nations'. In Alaska und auch in Westkanada besteht ein sehr großer Bevölkerungsanteil aus Mitgliedern der First Nations.
Anchorage ist eine ganz bezaubernde Stadt mit vielen Parks und Blumen. Man könnte dort auch herrlich Radtouren machen.

Nächstes Ziel war Seward auf der Halbinsel Kenai südlich von Anchorage am Golf von Alaska (gehört zum Pazifik). Die Küste verläuft hier nicht so platt und geradeaus wie in Ostfriesland, sondern besteht aus steilen Felsen, Gebirge und vielen Fjorden. Die kleinen Orte liegen meistens geschützt am Ende eines Fjords, wie auch Seward. Hier standen wir mit sehr vielen anderen Wohnmobilen direkt am Ufer mit Blick auf die ein- und ausfahrenden Fischerboote und Kreuzfahrtschiffe. Und dann abends noch ein Lagerfeuerchen mit Nachbarn...Toll! Ein winziges bisschen Nervenkitzel war auch dabei, denn Seward liegt in einem Erdbebengebiet und wurde Karfreitag (!!!) 1964 durch Erdbeben und Tsunami völlig zerstört. Seit Wiederaufbau der Stadt stehen überall Schilder, die Fluchtwege bei Tsunami-Gefahr anzeigen.

Uns gefiel es dort so gut, dass wir eine ganze Woche geblieben sind und auch mal wieder unsere Fahrräder benutzt haben. An einem Tage machten wir eine 8,5-stündige Tour mit einem Boot raus zu einem Gletscher und verschiedenen Seelöwen- und Vogelfelsen. Dabei haben wir auch zwei Buckelwale gesehen.(Und wie der Zufall es so will, schwammen am nächsten Tag zwei Wale direkt vor dem Wohnmobilstellplatz.) Am besten gefielen uns die Puffins (Papageientaucher), die massenweise auftraten. Die machten Sturzflüge ins Wasser oder flatterten auf der Wasseroberfläche rum, als ob sie eine Show abziehen würden.

Am letzten Tag tauchten auch Eilert und Gisela in Seward auf. Das war eine Wiedersehensfreude! Und wir sind mit ziemlich dicken Köpfen am nächsten Morgen abgefahren.

 

 

Kurz danach wanderten wir zum Exit Glacier. Das hat die Köpfe wieder frei gemacht. Da steht man dann vor dieser riesigen, hellblauen, zerklüfteten Eiswand, friert trotz Sonnenschein im kalten Fallwind und kommt sich unsäglich klein vor, aber auch sagenhaft glücklich, so etwas sehen zu können.

Am nächsten Tage besuchten wir eine Muskox-Farm. Hier werden Moschusochsen,die in Alaska ausgestorben waren und von Grönland wieder eingeführt wurden, gezüchtet. Moschusochsen haben nichts mit Moschus zu tun. Sie wurden nur so genannt, weil sie danach riechen. Männchen und Weibchen haben eine ganz weiche Unterwolle, die im Frühjahr ausgekämmt wird. Diese Wolle wird dann in abseits liegende Dörfer der First Nations geschickt, wo Frauen sie verstricken und so ein festes Einkommen haben. Dies soll die beste Wolle überhaupt sein. Ich bin ja bei Wolle ganz pingelig, kann sie einfach nicht auf der Haut haben. Aber diese ist wirklich superweich. Außerdem ist sie total unempfindlich. Man soll sie sogar heiß waschen können, ohne dass sie einläuft. Also rein in die Waschmaschine! Das wäre doch was für mich Superhausfrau! Deshalb wollte ich mir zumindestens einen kleinen Schal kaufen. Das war aber nur ein frommer Wunsch - 170 Dollar sollte er kosten!

Anschließend fuhren wir nach Valdez, dem südlichen Endpunkt der Alaska Pipeline. Hier wird das Öl von riesigen Tankern am Ende eines schmalen Fjordes übernommen. Auch Valdez wurde 1964 zerstört, aber nicht an gleicher Stelle, sondern ca. 2 km entfernt wieder neu aufgebaut. Besonders interressant ist dieser Ort für Angler. Es wimmelte von Lachsen, die flussaufwärts zogen. An einer Stelle war eine kleine Bachmündung wegen eines kleinen Wasserkraftwerkes stundenweise geschlossen. Dort versammelten sich die Lachse zu Hunderten. Man hätte sie mit der Hand greifen können. Glücklicherweise gibt es strenge Regeln. An solchen Stellen ist das Angeln ganz verboten. Und ansonsten dürfen Lachse von Hobbyanglern in Flüssen nicht mit Netzen gefangen, sondern nur mit Leine und Haken ohne Widerhaken geangelt werden - und auch nur 3 pro Person und Tag. Ganz große Fische, die cm sind genau vorgeschrieben, müssen wegen der großen Laichmenge wieder ins Wasser gelassen werden, die kleinen natürlich sowieso. Nur für die First Nations gibt es an bestimmten historischen Stellen Ausnahmeregelungen. Dort dürfen sie Lachse stechen, wie sie es immer gewohnt waren, mit einer zweizackigen Gabel mit Widerhaken aus Holz oder Horn. Als wir am letzten Tag von einem Museumsbesuch zurückkamen, standen Gisela und Eilert neben uns auf dem Campingplatz. Sie hatten kurzfristig ihre Route geändert, ohne zu wissen, dass wir noch in Valdez waren. Der Abend war gerettet!

Von Valdez aus ging es nun zurück Richtung Canada. Aber es gibt nur zwei Routen und davon ist nur der Alaska Highway durchgehend asphaltiert. Weil bislang alles gut geklappt hatte, haben wir nun natürlich die zweite Strecke ausprobiert. Zuerst ging es über Richardson Hwy, Glenn Hwy, Taylor Hwy und Top of the World Hwy (die haben zwar auch Nummern, man nennt aber immer die Namen) nach Dawson City. Die letzte Strecke waren über hundert Kilometer Schotterstrecke ohne Mittelstreifen. Das ging in die Knochen! Aber die Landschaft ist soooo schön! Und so riskieren es fast alle deutsche Touristen. Über die teilweise Waschbrettpiste sind wir schließlich trotz Kurven fast immer mit 80 gebrettert, bei geringerer Geschwindigkeit war das Geratter nicht auszuhalten. Am meisten Angst hatten wir vor hochfliegenden Steinen bei Überholern und Gegenverkehr. Doch auf dem Top of the World Hwy gibt es so gut wie keine Lkws. Wozu auch? Unterwegs gibt es nur den kuriosen Ort Chicken, der aus vier Häusern besteht, zwei Bars und zwei Geschäften. Die Straße ist im Winter sowieso geschlossen. und die Touristen, denen wir begegneten, bremsten dann genauso wie wir. Ein paar wilde Fahrer gab es trotzdem. Da haben wir Tricks von den Südamerikafahrern angewendet: Kommt ein Überholer von hinten zu schnell, fährt man in die Mitte der Straße und bremst ihn so ab, ebenso, wenn jemand zu schnell entgegenkommt. Dafür braucht man aber schon Nerven und etwas Übung. So haben wir und die Reifen die Strecke gut überlebt. Unsere Windschutzscheibe hat allerdings 5 Macken abbekommen. Darüber stöhnen viele Alaskafahrer. Darüber später mehr.

Mitten auf der Strecke überquert man die Grenze zwischen Alaska und Canada und am Ende landet man am Yukon und setzt mit der Fähre nachDawson City über, die Goldrauschstadt ab Ende des 19. Jahrhunderts. Die nächsten Tage haben wir uns dann in die Geschichte dieser Stadt gestürzt: Stadtführung, Yukon-Schaufelraddampferbesichtigung (die Führerinnen in Original-Jahrhundertwendekleidern), Besichtigung von restaurierten Gebäuden (z.B. Theater Post, Bank, Gouverneur, Hütte des Schriftstellers Jack London), Blick vom Berg auf die zerbuddelte Landschaft am Klondike und Besichtigung eines großen Schwimmbaggers zur Goldförderung. Übrigens wird heute immer noch etwas Gold dort gefunden, aber die Claims sind nur in wenigen festen Händen. Heute lebt die Stadt im Wesentlichen von Touristen. Sie ist auch sehr schön restauriert. Das genossen mit uns auch massenhaft andere Deutsche aus 2 ROTEL-Bussen ( die mit den kleinen Schlafkabutzen). Aber die bleiben immer nur eine Nacht und werden durchgejagt.

Es folgten weitere 450 km, bis wir wieder in Whitehorse waren. Dort wartete auf dem Wal-Mart- Parkplatz schon ein ambulanter Scheibenreparierer auf all die Autos mit Macken und hatte regen Zuspruch. Innerhalb einer Stunde hatte er die 5 Macken beseitigt, so dass die Scheibe jetzt stabilisiert ist und man kaum noch etwas von den Sprüngen sieht.

Jetzt, am 2. August, war unsere große Alaska-Rundtour beendet und hat doch viel länger gedauert als wir ursprünglich gedacht hatten. Weils so schööön war!!

Weiter gings dann wieder auf dem Alaska Hwy nach Watson Lake zurück. Hier gab es keine andere Straßenalternative. Aber dann fing wieder eine Traumstrecke an, der Cassiar Highway durch die kanadischen Rocky Mountains. Unterwegs einige wunderschöne öffentliche Campgrounds am Ufer von Seen mit Badetemperatur, allerdings nicht für uns. Auf einem dieser Plätze hat mir die Aufsicht, eine ausgewanderte Deutsche, Pilze beschrieben und mir erklärt, wo ich sie finden konnte. Tatsächlich habe ich auch viele Habichtspilze gefunden. Sie sind sehr schmackhaft und gewürzig.

Auf diesen Campingplätzen wurden die freien Stellplätze auch jeden Morgen geharkt. Auf unsere Frage nach dem Sinn wurde nur geantwortet, dass das schöner aussähe. Das fanden wir nun tatsächlich übertrieben, aber lustig. Was aber wirklich auffällt ist , dass wir auf der ganzen bisherigen Strecke nirgendwo Müll gesehen haben, weder an den Straßenrändern, noch auf Wanderwegen, auch in Siedlungsnähe nicht. Dagegen ist Deutschland richtig dreckig.

Auf dem Cassiar Hwy haben wir mehrmals zwei junge Ehepaare aus Zürich und Rotenburg/Wümme mit ausgebauten Landrovern wiedergetroffen. Ein Paar kam schon aus Südamerika, das andere wollte noch dahin. Sie hatten entweder das Studium beendet oder ihre Stellen gekündigt. Der Altersunterschied störte bei den vielen Gesprächen überhaupt nicht, da es ja viele gemeinsame Interessen.gab und wir uns gegenseitig Tipps geben konnten. Der Schweizer hatte reformierte Theologie studiert, was wir als reformiert Erzogene ganz witzig fanden. Er meinte, er hätte nach seiner Rückkehr sehr gute Einstellungschancen, weil in der Schweiz Theologen händeringend gesucht würden. Wenn jemand also arbeitslose Theologen kennt, ab in die Schweiz!

Hauptziel am Cassiar Hwy war ein Abstecher nach Steward. Von hier aus sind wir einen Tag wieder nach Alaska eingereist nach Hyder. Der Ort Hyder liegt ganz unten in dem schmalen Alaskastreifen, der sich die Küste nach Süden entlangzieht und ist dort unten der einzige Ort, der per Straße erreichbar ist. Die anderen Orte, selbst die Hauptstadt Juneau, sind nur mit Schiff oder Flugzeug zu erreichen. Vielleicht auch als Wanderer??? Die Straße nach Hyder ist aber auch nur eine Schotterpiste, weil da nur Leute hinfahren, die Bären sehen wollen, so wie wir. In diesem Tal laichen nämlich Lachse in dem flachen Bett eines ganz klaren Gebirgsbaches. Und das wissen natürlich auch die Bären. An diesem Tag haben wir zwei Schwarzbären und drei Grizzlys beobachten können, zwei davon im Bach bei der Jagd nach Lachsen, was bei der großen Menge von erschöpften Fischen (wegen der langen Anreise vom Meer die Flüsse hinauf) an sich keine besondere Schwierigkeit ist. Aber ein jugendlicher Grizzly war noch am Üben und das sah so richtig tapsig aus.

Von dort aus fuhren wir dann mit vielen Pausen an Seen oder zur Besichtigung von Totempfählen in First Nation Dörfern weiter über Prince George Richtung Vancouver. 125 km vor Vancouver liegt mitten im Hochgebirge aber nah an der Küste am Sea to Sky Highway der Ort Whistler. Hier finden 2010 die Alpinen, Nordischen und Rodelwettbewerbe der Olympischen Winterspiele statt. Die Bautätigkeit ist enorm. Uns gefiel dieser Ort sehr gut: gemütliches und schön gestaltetes Ortszentrum, natürlich auch viele auf Touristen ausgerichtete Geschäfte und Restaurants, aber ohne den vielen Kitsch, den man in manchen Alpenorten sieht. Die Skipisten liegen direkt am Ort und werden im Sommer von vielen Mountainbikern benutzt.

Bis Vancouver sind wir noch nicht gekommen, sondern haben auf Rat von kanadischen Campern hin kurz vorher die Fähre nach Norden genommen und sind ein paar Tage die Sunshine Coast entlang gefahren. Der Rat war gut, Gebirge und Meer zusammen ergeben eine tolle Landschaft. Anschließend haben wir dann eine Fähre nach Vancouver Island genommen, um die über 400 km lange Insel zu.erkunden. Vancouver Island hat es schon in sich: hohe Berge mit Schneeresten, viele Seen, Fels- und Sandstrände und Regenwälder der gemäßigten Breiten. In den Wäldern wimmelt es von gewaltigen Douglas-Fichten, deren größte einen Stammumfang von 9 m hat. War echt beeindruckend!

 

4. Reisebericht vom 30. Oktober 2007

 

Die Abstände zwischen den Reiseberichten werden immer größer, wohl auch ein Zeichen, dass wir uns immer weiter von Berufsstress und Termindruck entfernen und es so viele schöne Sachen gibt, die man machen kann, anstatt zu schreiben. Und wenn wir dann tatsächlich mal Stromanschluss fürs Laptop haben, stehen garantiert Leute neben uns, mit denen wir die Zeit verquatschen. Man merkt also, uns geht es gut. Von kleinen Problemen später.

Zuletzt hatten wir von Vancouver Island berichtet. Anschließend kamen wir dann noch zu 2 Höhepunkten dieser Insel. Zuerst besichtigten wir die Hauptstadt British Columbias Victoria. Hier machte das Bummeln richtig Spaß, gemütlicher Ortskern, stimmungsvoller Hafen, Felsenküste, Sandstrände, von allem etwas. Absolute Spitzenklasse: das ‚Royal BC Museum', u.a. mit einer ausgezeichneten First Nations Abteilung. Auch hier wurde wieder deutlich, dass die Kanadier eine ganz andere Einstellung zu den Ureinwohnern hatten als die US Amerikaner. In der Regel ging die Besiedlung durch die Weißen friedlich vonstatten. Deshalb gibt es auch keine Indianerreservate, die First Nation People sind heute überall im normalen Alltag zu sehen.

Wie so oft wurden wir auch hier von einer ausgewanderten Deutschen angesprochen. So hört man immer mal wieder Neuigkeiten, hier jetzt für alle Raucher. Ab August 07 sind die Antirauchergesetze in Kanada verschärft worden. Rauchen ist nicht nur in Restaurants, Büros, Geschäften usw. verboten, sondern grundsätzlich in der Öffentlichkeit. Sobald ein Raucher von anderen Leuten gesehen wird, also auch auf dem Balkon oder im eigenen Vorgarten, kann er angezeigt werden und das hat eine empfindliche Geldbuße zur Folge. Dagegen sind wir Deutschen doch wirklich tolerant!

Anschließend fuhren wir zu 'Butchard Gardens', einer riesigen wunderschönen Gartenanlage an einer Bucht und teilweise in einem alten Steinbruch. Ein Fest für die Augen wegen der vielen blühenden Blumen. So eine schöne Anlage sieht man nur selten. Wir sind dann auch über 3 Stunden geblieben und nur gefahren, weil wir noch einen Campingplatz suchen mussten.

Am nächsten Tag ging es mit der Fähre zwischen kleinen Inseln durch nach Vancouver rüber. Diese Stadt hat uns viel besser als Toronto gefallen. Hier wimmelte es von Leben auf den Straßen, in den Parks, auf den Märkten und Halbinseln. Die Stadt ist total multikulturell. Es gibt keine Minderheiten, also auch keine Mehrheiten, z.B. sahen wir auch viele Kanadier indischer, chinesischer oder japanischer Herkunft. Dadurch dass Kanada ein Einwanderungsland ist, leben dort natürlich sehr viele Asiaten. Wir kauften uns dann 2 Tageskarten für alle öffentlichen Verkehrsmittel, sind mit Booten und der fast nur oberirdischen U-Bahn gefahren und haben uns natürlich auch das Wahrzeichen angesehen, eine mit Gas betriebene Uhr, die alle Viertelstunden oben Dampfwolken ausstößt. Der Clou war eine Fahrt auf den Aussichtsturm vom Harbour Centre, wo wir im Turmrestaurant gegessen haben, während das Restaurant sich einmal rundum drehte. So hatten wir einen phantastischen Blick über die ganze Stadt.

Übernachtet haben wir auf einem kleinen unbedeutenden Campground im Süden derStadt, der wegen des netten Besitzers im deutschen Reiseführer erwähnt war. So trafen wir dort auch einige Deutsche und konnten wieder Bücher tauschen.

Am 1. September, unserem letzten Tag in Kanada, hatten wir eine richtige Pechsträhne. Zuerst funktionierte unser Stromladegerät nicht mehr richtig. Steckdosen und Kühlschrank erhielten noch Strom, aber die Batterien (wichtig für Licht, Wasserpumpen, Warmluftgebläse) wurden nicht mehr aufgeladen. Das ist kein großes Problem, denn die Batterien werden während der Fahrt und durch die Solarmodule aufgeladen. Wenn wir aber im Winter mal länger an einer Stelle stehen und die hellen Tage nur kurz sind oder es regnet, wäre es doch besser, die Batterien mal wieder mit Strom nachladen zu können. Ein Anruf bei LMC ergab die sehr bemühte Auskunft , wir sollten erst die Sicherungen überprüfen, sonst würden sie ein neues Gerät schicken. Nun, an die entscheidenden Sicherungen kamen wir nicht ran, auch ein deutscher ausgewanderter Maschinenmeister nicht. Aber so dringend war es ja auch noch nicht.

Deshalb fuhren wir los Richtung Grenze USA/Kanada, wenige Meilen südlich von Vancouver. Dort standen wir erst einmal 1 1/2 Stunden im Stau. Endlich bei den USA-Zöllnern angekommen, wurden wir rausgewinkt und unsere Pässe eingezogen, angeblich vom Computer ausgewählt. Wer`s glaubt ! Das Auto musste geparkt werden und wir mussten zusammen mit vielen anderen Auserwählten einen langen Fragebogen ausfüllen, obwohl wir gültige Visa hatten. Dann hatten wir den Autoschlüssel abzuliefern und sie wühlten unser Wohnmobil durch. Trotz unseres Protestes mussten wir im Büro bleiben. Ganz stolz kam der Grenzer mit 3 Äpfeln, 2 Zitronen und einer Dose Rindfleischbrühe (Puder) zurück. Kartoffeln, Zwiebeln und anderes Gemüse haben sie nicht angerührt. Kein Tourist kennt die gerade aktuellen Verbote, da sie sich angeblich ständig ändern. Natürlich hatten wir dafür gesorgt, dass kein Fleisch mehr im Auto war, aber trockene Brühe! Wer denkt denn an sowas?

Und dann meinte der Zöllner, da ich ja angekreuzt hätte, kein Obst und Gemüse im Auto zu haben, koste das 300 Dollar. Frechheit! Er zeigte auf einen fremden Fragebogen, ich hatte nämlich richtig angekreuzt. Aber eine vernünftige Entschuldigung gab es nicht! Wir waren vielleicht innerlich geladen, als wir gingen! Aber man hält dann doch die Klappe, damit nicht das Visum aus dem Pass gerissen wird. Ein anderer deutscher Womofahrer erzählte, er wäre dem Zöllner nachgegangen, weil er auch nicht wollte, dass dieser allein in das Auto stieg. Da hätte der Grenzer die Pistole gezogen!

Endlich auf USA-Seite angekommen, war Erholungspause angesagt. Ich wollte eine Jacke aus dem Kleiderschrank holen und sah, dass die Kleiderstange nach unten hing, ein wüstes Durcheinander! Eine seitliche Halterung der Kleiderstange war gebrochen. Diese Dinger sind bei Womos fast immer aus Plastik und deshalb hatte ich Ersatz aus Metall dabei. Aber der war eine Spur zu klein für unsere Stange. Im dritten Heimwerkermarkt hatten wir dann Erfolg. Das waren nun alles keine großen Dramen, aber die Duplizität der Ereignisse macht es!

Anschließend nahmen wir Kurs auf den Olympic National Park. Seattle ließen wir aus, obwohl die Stadt auch sehr schön sein soll, aber 2 Großstädte hintereinander wäre uns zuviel gewesen. Dieser Nationalpark besteht aus drei Teilen, einer Küstenregion mit viel Strand, einem Hochgebirge und viel Regenwald der gemäßigten Breiten, der einen ganz verwunschenen Eindruck macht. Und es regnet natürlich viel, auch als wir da waren. Aber selbst im Nieselregen haben uns ein paar Wanderungen mit entsprechender Kleidung gut gefallen.

Die nächsten Tage verbrachten wir bei Sonnenschein rund um den Highway 101, der Küstenstraße Oregons. Die Gegend ist wirklich so schön, wie uns empfohlen worden war: Felsenküste mit tollen Aussichtspunkten, schöne Sandstrände, ein paar schnuckelige Orte, zu Gerds Freude viele Leuchttürme und Seelöwen.

Die 101 führt weiter im Süden durch den ‚Redwood National Park'. Redwoods können 3000 Jahre alt werden und bis 120 m hoch. Diese gewaltigen Bäume sind die höchsten der Erde, selbst die größten im tropischen Regenwald sind kleiner. Durch die häufigen Stopps und kleine Wanderungen kamen wir in diesem Wald nicht schnell voran. Man sieht so verflixt klein aus neben diesen Riesen.

Unser nächstes Ziel war das ‚Napa Valley', die berühmte kalifonische Weingegend nordöstlich von San Francisco. Dort besichtigten wir auch das feudale Weingut ‚Beringer Vineyards', gegründet von zwei Brüdern aus Mainz. Eine sehr schöne Gegend, aber landschaftlich und atmosphärisch bieten Rhein und Mosel mehr.

Nach San Francisco fuhren wir dann nicht mehr, weil uns die Zeit zu knapp wurde. Wir wollten nämlich noch zum Yosemite National Park. wo der Tioga Pass schon ziemlich früh im Jahr wegen Schnee gesperrt wird. So landeten wir in Sacramento. Natürlich haben wir uns die Hauptstadt Kaliforniens auch angeschaut. Besonders sehenswert ist die gut erhaltene und restaurierte Altstadt im Westernstil. Und da das Capitol Sacramentos schöner sein soll als das in Washington D.C., durften wir es natürlich nicht auslassen. Nach kurzer Sicherheitskontrolle mit Durchleuchten der Taschen konnte man sich im ganzen Gebäude frei bewegen und u.a. Sitzungssäle besichtigen und in der Kantine essen. Plötzlich standen wir zufällig vor der Bürotür des Gouverneurs Arnold Schwarzenegger. Ihn sahen wir natürlich nicht, aber der nette Wachsoldat stellte sich extra in Fotografierpositur.

Dieses freundliche relaxte Verhalten findet man öfter (nur nicht an der Grenze, wie gesagt). So bewegten sich mitten in Sacramento zwei Polizisten hoch zu Ross durch eine Fußgängerzone. Als sie sahen, dass Gerd den Fotoapparat zückte, hielten sie und winkten mich zu sich heran, damit ich mit auf das Foto käme.

So in Hochstimmung geraten, überlegten wir, ob es bei einem deutschsprachigen Gouverneur mit viel ausländischem Besuch nicht vielleicht auch ausnahmsweise deutsche Zeitungen in der Stadt zu kaufen gäbe. Und tatsächlich bekamen wir in einen kleinen Laden neben dem Gouverneurspalast SPIEGEL und STERN und kauften vor lauter Informationshunger sogar auch ältere Exemplare.

Weiter ging es Richtung Yosemite National Park. Je weiter wir nach Süden kamen, desto mehr ähnelten die Straßen abfallmäßig europäischen Verhältnissen und das hat sich bis heute nicht geändert. Schade, denn an den Straßen stehen häufig Schilder mit Namen von Vereinen, Firmen, Schulen oder Privatleuten, die bestimmte Straßenabschnitte ‚adoptiert' haben. Eine prima Idee, aber es klappt oft nicht.

Wir sind dann von Süden her in den Yosemite National Park gefahren und haben eine Führung durch die Gegend mit den riesigen Mammutbäumen (Sequoias) mitgemacht. Sie werden zwar nicht ganz so groß wie die Redwoods, haben aber weltweit den größten Stammdurchmesser und wachsen nur in dieser Gegend von Nordamerika. Früher ließ man sogar Autos durch Lücken in den Stämmen fahren. Das ist jetzt aus Naturschutzgründen nicht mehr möglich,

Hier erwischte uns nach viel Sonne unser bisher letzter Regentag. Bis heute haben wir keine Tropfen mehr gesehen. Anschließend fuhren wir zum zentralen Ort des Parks Yosemite Village, herrlich gelegen in einem Gletscher- und Flusstal zwischen hohen Granitfelsen. Um 2000m hoch liegt der Ort, tagsüber T-Shirt-Wetter, aber nachts wurde es schon empfindlich kühl. Wir machten dort zwei schöne Wanderungen und genossen die herrliche Umgebung. Das taten allerdings viele Leute und deshalb waren wir gar nicht böse, anschließend wieder in ruhigere Gegenden zu kommen.

Danach mussten wir den Nationalpark auf dem Tioga-Pass, ca. 3000m hoch durchqueren, um nach Osten zu gelangen. Diese Straße ist eine der schönsten Strecken, die wir überhaupt gefahren sind, absolut lohnend die herrliche Gebirgsumgebung. Knapp 2 Wochen später wurde dieser Pass dann für diesen Winter geschlossen. Unser Timing hat bisher gut gepasst.

Nächstes Ziel war der Mono Lake, ein Salzwassersee in wüstenähnlicher Umgebung. Eigentlich gar nicht so interessant, wenn nicht an einigen Stellen
große bizarre Tuffsteine am Uferrand (früher Wasser) und im Wasser zu sehen wären. Diese skulpturgleichen Kalziumkarbonatformationen entstanden durch Ablagerungen hochdrängender Quellen.

Die nächsten Tage fuhren wir durch das sehr trockene Gebiet der östlichen Sierra Nevada bis zum Death Valley. Da teilweise unter Meeresspiegelhöhe gelegen und im Regenschatten von Bergen, ist es dort gnadenlos heiß, auch Ende September noch. Im Sommer wäre es wirklich nicht auszuhalten. Aber die Landschaft -Sanddünen, Kieswüste, Reste von Salzseen und bunte Felsenschluchten - ist einfach sehenswert. Und deshalb haben wir trotz Hitze auch 3 Tage dort verbracht.

Und dann kam Las Vegas. Trubel wie immer auf dem Strip, die Kasinos voller Leute, in der Mehrheit Menschen mit ganz normaler Kleidung, nur bekleideter Körper überhaupt und Fußbekleidung sind vorgeschrieben (no shirts, no shoes - no service). Und überall flitzten auch Kinder rum, für die es sogar Extraecken mit Kinderglücksspielen wie bei uns auf Jahrmärkten gab. Und in denselben Kasinos spielten Erwachsene mit einem Minimumeinsatz von 5000 Dollar. Direkt daneben die einarmigen Banditen, an denen am meisten los war. Wir haben uns auf die Büffets gestürzt. Die sind in den Kasinos konkurrenzlos preiswert. Voller zufriedener Bauch spielt gern? Im Luxor, der riesigen schwarzen Pyramide, gab es abends ein Büffet für rund 14€ pP einschließlich nichtalkoholische Getränke. So ein gutes und vielfältiges Büffet haben wir noch nie erlebt. Das war absolut Spitze. Wir haben das besonders genossen, weil uns ein paar Tage vorher Montezumas Rache intensiv erwischt hatte, wir vorsichtig mit dem Essen waren und nun endlich unsere Gesundung gründlich feiern wollten.

Das neue Kasino Venetian sahen wir uns dann etwas genauer an.Ein Wahnsinnsaufwand wurde da betrieben: innerhalb und außerhalb des Gebäudes nachgebildete Straßenzeilen und bekannte Bauten Venedigs mit etlichen Kanälen, Brücken und Gondeln, darüber täuschend echt nachgemachter italienischer Strahlehimmel. Alles natürlich nur Show, aber eine sehenswerte.

In Las Vegas brachten wir nach Anmeldung 2 Tage vorher unser Womo zu Freightliner zur Inspektion. Das dauerte knapp drei Stunden und war für uns relativ kurzweilig, weil es einen gut ausgestatteten Wartebereich für die Kunden gab: bequeme Sessel, Fernseher, kostenlosen Kaffee, Snacks in Automaten, Duschen, Waschmaschinen und Trockner. In Deutschland ist man ja schon froh, wenn man bei Werkstätten eine Sitzecke findet. Und die Inspektion war auch noch preiswerter als zu Hause. Es wurde alles durchgecheckt, Öl und Luftfilter gewechselt und alles war in Ordnung. Nur das Stromladegerät hatte leider keine kaputten Sicherungen, ein elektronisches Bauteil hatte seinen Geist aufgegeben. Nun müssen wir uns tatsächlich einen neuen Verteiler aus Deutschland schicken lassen.

Das südliche Utah mit den vielen Nationalparks mit den unterschiedlichsten Felsformationen und Canyons war unser nächstes Ziel. Zuerst am Lake Meadentlang, dem aufgestauten Colorado (als Wasserspender von Las Vegas bis Los Angeles) bis zum Valley of Fire, das relativ wenig deutsche Touristen besuchen. Dabei sind die roten Felsen umwerfend schön und die großen Stellplätze der beiden kleinen Campingplätze zwischen den Felsen nicht zu toppen. Dafür packen auch Hotelfans Zeltchen aus.

Ein absoluter Höhepunkt war dann der Bryce-Canyon mit den vielen dicht beieinander stehenden, in der Sonne rötlich schimmernder Steinsäulen und Felsnadeln(Hoodoos), von dem ihr sicherlich schon mal irgendwo Fotos gesehen habt. Vor 10 Jahren konnten wir im Sommer alles nur von oben sehen, weil es stark regnete und die steilen Wege zu glitschig waren. Aber jetzt war das Wetter wunderbar und wir unternahmen eine Halbtageswanderung zwischen den Hoodoos. Nachdem wir auch viele junge Leute mit Aluwanderstöcken gesehen hatten, kauften wir uns auch welche. Was waren wir froh darüber auf diesen schmalen steilen Wegen!

Weiter ging es zum Capitol Reef National Park, zum Arches National Park mit den vielen natürlichen Steinbrücken, zum Canyonlands National Parkund zum Natural Bridges Park. Überall haben wir längere Wanderungen gemacht und Gerd hat sich inzwischen auch ganz gut an das Laufen gewöhnt. Die Wanderwege (Trails) sind häufig gar nicht als Wanderwege zu erkennen, sondern es geht über Stock und Stein, auf und ab und in dieser Gegend über viele Felsen von einem kleinen Steinhaufen als Wegmarkierung zum nächsten. So braucht man für eine Strecke von 5 km oft locker einen Nachmittag. Um die herrliche Landschaft zu beschreiben, gehen uns langsam die Superlative aus. Nur so weit: In Europa wäre jeder dieser Nationalparks ein totales Highlight.

Dann war das Monument Valley angesagt, welches mitten im Navajo Reservat liegt, Dort machten wir eine Jeep-Tour mit, weil man nur mit dem Navajo-Führer in besonders schöne, für die Öffentlichkeit sonst nicht zugängliche Ecken kommt und auch sieht, wie die Indianer dort heute leben und früher gelebt haben. Absolut lohnend! Außerdem hatten wir interessante Gespräche mit den 4 mit uns fahrenden Amerikanern. Gerd als Westernfan hat sich natürlich gefreut, Stellen zu sehen, wo bekannte Western gedreht worden waren, u.a. mit John Wayne.

Nach Zwischenaufenthalt in dem Park ‚Navajo National Monument' mit Pueblohäusern in Felsnischen landeten wir bei Page am Lake Powell, wieder ein riesiger Stausee vom Colorado und verbrachten ein paar schöne Tage auf dem Strand direkt am Wasser. Im Sommer brechend voll, standen jetzt nur wenige Womos dort. Eine himmlische Ruhe, wenn man sie denn mag, so wie wir.

Bei Page sind wir mit einem Führer und wenigen anderen Leuten durch ein kleines Loch in den Felsen in den 'Antilope Canyon', eine ganz schmale und tiefe Felsenschlucht, gestiegen. (Bilder 2+3) Je nach Lichteinfall schimmerten die durch Wasser in unterschiedlichesten Formen geschliffenen Seitenwände in allen möglichen Gelb- und Rottönen. Der Canyon wand sich wie eine Schlange und war an einigen Stellen so eng, dass ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung erhebliche Probleme gehabt hätte. Aber diese Leute trifft man eh nicht bei körperlich etwas anstrengenderen Tätigkeiten. Unser junger Navajoführer sagte nicht viel, wir waren auch zuviel mit Staunen und Fotografieren beschäftigt. Aber er spielte Gitarre, Stücke, die uns an die letzten Musikschuljahre von unserem ältesten Sohn Marcus erinnerten. Das war fast zum Weinen schön. Klingt schrecklich kitschig, aber wie soll man das Zusammenspiel von phantastisch geschwungenen Felswänden, Lichteinfall und melodischer Gitarrenmusik beschreiben. Ich kann das nicht richtig.

Und dann kam der totale Gegensatz, der Grand Canyon National Park mit dem Colorado in 1,6 km Tiefe. Beeindruckt natürlich schwer, aber dazu gehören viel Tourismusrummel und viele, viele Menschen. In Deutschland war viel über den neuen ‚Skywalk' zu lesen. Das ist eine Art Steg, auf dem man durch den Glasboden tiefer in den Grand Canyon hineinschauen kann als vom Rand aus. Die Ranger wundern sich immer, wenn deutsche Touristen danach fragen, weil der 450 km vom Nationalpark entfernt liegt. Wir wussten das auch nicht, hörte sich in der Presse anders an. Dieser Skywalk ist eine rein kommerzielle Angelegenheit. Mit 75 Dollar ist man dabei. Aber wir nicht!

Im Gran Canyon National Park trafen wir wieder Deutsche, die auch ein Jahr hier mit eigenem Wohnmobil unterwegs sind. Der Mann war Techniker bei Telekom und früh in Rente gegangen. Und dann erzählt er uns Wildfremden doch ganz stolz, dass er ‚auf krank' gemacht hätte, weil ihm die ständigen Umstrukturierungen nicht gepasst hätten. Außerdem klagte er über Kälte und Regen in Kanada und Alaska. Er war dort im September! Bei uns regte sich null Mitleid . Zum Glück war das bisher der einzige unangenehme deutsche Bundesbürger, den wir hier getroffen haben.

Bei Sedona, einem hübschen Ort nördlich von Phoenix, der Hauptstadt von Arizona, hatten wir kurz darauf unseren ersten Reifenschaden. Wir wollten gerade abfahren, als wir merkten, dass der linke Vorderreifen weniger Luft hatte. Auch ein Reifenspray erhöhte den Druck nicht vollständig. Später hörten wir, dass wir noch zusätzlich hätten aufpumpen müssen. In solchen Autoreparaturdingen sind wir eben sehr unbedarft. Also musste der Reifen gewechselt werden. Ein Glück, dass das auf dem Campground passiert ist, denn die Zufahrtsstraße war kilometerlang sehr steil mit gehörigem Abhang an einer Seite. Der Camphost (Campingplatzbetreuer von staatlichen Plätzen, in der Regel ehrenamtliche Senioren) sah unser Problem, informierte andere Camper und ruckzuck waren drei Amerikaner an der Arbeit und hatten sogar noch einen eigenen Lastwagenheber dabei. Das schien für sie völlig selbstverständlich zu sein. Es wird in Europa ja viel von der Oberflächlichkeit der Amerikaner geredet. Dazu können wir uns kein Urteil erlauben. Aber was Hilfsbereitschaft gegenüber Fremden betrifft, könnten sie manchem Europäer ein Vorbild sein.

In Sedona wurden dann in einer Reifenfachwerkstatt ein Nagel und eine Schraube aus dem Reifen gezogen, aber auch bei wiederholtem Überprüfen fanden sie kein Loch mehr. Ganz offensichtlich hatte der Spray das Loch schon verschweißt. Also ist es bei Notfällen immer ganz gut, wenn man so ein Ding dabei hat.

Phoenix liegt in einer wüstenähnlichen, heißen und trockenen Umgebung, im Winter beliebt bei Senioren. Am 29. Oktober hatten wir nachmittags 34 Grad im Schatten! Die Millionenstadt bekommt aber durch Stauseen genug Wasser, so dass es viele Grünflächen gibt und sogar in der Stadtmitte Häuser mit Gärten und Golfplätze. Dadurch dehnt sich die Stadt elend weit aus, aber verkehrsmäßig kein Problem, weil die Straßen schachbrettförmig angelegt sind. Wir haben uns hier das Heard Museum mit wunderschöner alter und neuer Kunst der Südwestindianer angesehen und eine ausgezeichnete Führung mitgemacht.

Inzwischen befinden wir uns in Quartzsite, einem nichtssagenden kleinen Ort rund 100 Meilen westlich von Phoenix in wüstenähnlicher Umgebung. Hier versammeln sich im Winter ca.1 Mill. Menschen mit Wohnmobilen und Wohnwagen. Die Saison fängt jetzt gerade an. Das wollten wir uns doch mal ansehen.