2. - 7. September 2012

Unser nächstes Ziel war ein weiterer Höhepunkt von Kappadokien: die unterirdische Stadt von Derinkuyu. Die 8 Stockwerke tiefe Stadt ist vor rund 4000 Jahren entstanden. Bei Gefahr, u.a. auch bei den frühen Christenverfolgungen durch die Römer, verschwanden tausende von Einwohnern der oberirdischen Stadt nicht auffindbar in der Unterwelt. Noch 1838 brachte man sich hier vor ägyptischen Truppen in Sicherheit. Alles Nötige war vorhanden: Brunnen, ein ausgeklügeltes Belüftungssystem, Küchen mit Feuerstellen, Ställe für das Vieh, Vorratsräume, Kirchen und natürlich Schlafräume - alles in den Fels gehauen. Die Besichtigung war schon abenteuerlich wegen der schmalen und engen Gänge und der vielen engen Treppen, die von großen Menschen nur stark gebückt zu bewältigen sind. Trotz größter Vorsicht wiesen die Köpfe von Gerd und Heinz danach blutige Schrammen auf. Zum Glück waren das aber nur äußerliche Blessuren!

Mit Mühlsteinen konnten die Gänge verschlossen werdenIn einem unterirdischen Wohnraum

Von Derinkuyu fuhren wir weiter über Ihlara auf die Westseite der Ihlara-Schlucht bis zum Dörfchen Belisirma unten in der Schlucht am Flüsschen Melendiz. Die letzten 3 km führten über sehr steile Serpentinen hinunter, so dass wir erst Zweifel hatten, ob unsere Autos das schaffen würden. Aber wenn Busse das können?! Nur standen dann da ein paar hundert Meter vor dem Dorf plötzlich unübersehbar Barrieren mit einem Schild, wodurch wegen Bauarbeiten die Weiterfahrt verboten wurde. Nur hielt sich niemand daran. Einen Teil der Barrieren hatte man schon zur Seite geräumt und ein Einheimischer machte uns Zeichen, dass wir weiterfahren könnten. Ein anderer Türke meinte auch, er könnte uns einen schönen Platz für unser Womo zeigen. Er dirigierte uns wunderbar durch die sehr enge Straße am Fluss. Und am Ende der Straße gab es hinter einem Restaurant ein ruhiges Plätzchen für die Womos ( ca 10 € mit Strom, WC und Dusche ). Das Essen im Restaurant war gut, nur der Preis ließ uns hinterher zusammenzucken. Später erfuhren wir auch, dass das Campen vorher an der Straße preiswerter gewesen wäre. Lange Rede, kurzer Sinn: Wer nach Belisirma fährt, sollte nicht die letzte Campingmöglichkeit nehmen!

Das Ihlara- Tal ist wunderschön. In manchen Reiseführern wird vom Grand Canyon der Türkei geschrieben. Das ist total übertrieben, aber mit der franz. Verdonschlucht kann das Tal durchaus mithalten. Von oben sieht man nichts, man muss sie durchwandern. So machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg und besichtigten auch einige frühe, in den Fels gehauene Kirchen. Leider sind sie nur teilweise erhalten, weil Einwohner vergangener Jahrhunderte ihren Wert nicht erkannten und aus Unwissenheit vieles zerstörten. Außerden wurden wie bei allen christlichen Bildern den Figuren die Augen ausgekratzt. Desweiteren trugen Felseinbrüche und kritzelnde Touristen zur Zerstöung bei. Zum Glück war das Ihlaratal viele Jahrhunderte in Vergessenheit geraten und bei unserem 1. Besuch vor 20 Jahren trafen wir nur wenige Touristen dort. Jetzt werden ganze Busladungen hingekarrt. Trotzdem lohnt sich die Wanderung dort unbedingt.

Danach fuhren wir nur noch weiter bis Selime am nördlichen Eingang der Ihlara-Schlucht und verbrachten die Nacht auf einer Wiese direkt am Melendiz ( N 38°17'56.8''; E 34°15'56.6'', 1126m hoch ). Und wie fast immer, wenn man frei steht, passierte das Übliche, es kamen natürlich Türken auf ein Schwätzchen vorbei, freundlich und neugierig, aber keineswegs aufdringlich.

Nach friedlicher, kühler Nacht folgte nun ein Fahrttag zügig über die Autobahn nach Süden bis nach Mersin am Mittelmeer. Dort übernachteten wir bei Migros am Yachthafen. Welch ein Unterschied zu Kappadokien! In Mersin war es total heiß und schwül, auch in der Nacht grenzwertig.

 

Nun sehnten wir uns nach Strand und Meer. Das fanden wir gut 20 km westlich von Mersin, hinter dem Ort Cesmeli ( N 36°39'30.9''; E 34°24'34.7'' ) . Neben einem großen Hotel erreichten wir ein schönes Plätzchen mit Schatten unter Pinien und idyllischem Blick aufs Meer. Strandduschen gab es auch und ab und zu ein Schwätzchen mit Deutschtürken, die hier ihren Urlaub verbrachten. Uns gefiel es hier so gut, dass wir 3 Tage nur faul am Strand verbrachten. Auch hier war es heiß, aber dafür hatte man ja das Meer zum Abkühlen, auch wenn das Wasser Hallenbadtemperatur von 29°C aufwies.Vorbereitung des Abendessens am Strand bei Cesmeli 

8. - 20. September 2012

Der weitere Weg führte uns weiter nach Westen zur Kizkalesi, der sogenannten Mädchenburg. Diese Burg wurde der Legende nach von einem Sultan erbaut, der dort seine Tochter vor einem prophezeiten, tödlichen Schlangenbiss bewahren wollte. Das ging aber schief, weil eine Schlange in einem Obstkorb reingeschmuggelt wurde. Bei weiterhin brütender Hitze ließen wir uns mit einem 'Wassertaxi' zur Burg schippern. Von dort hat man eine sehr schöne Aussicht zur Küste. Aber der äußere Anblick der Burg ist am interessantesten. Innen ist außer einer großen Baustelle nicht viel zu erkennen, so dass sich eigentlich die Ausgaben für Überfahrt und Eintritt nicht lohnen.

Wassertaxis und Kizkalesi vom Land her gesehenKizkalesi von innen

Über Silifke gelangten wir anschließend nach Tasucu zum CP Aksakil mit sehr schöner Lage am Meer, Strandliegen, WLAN und gutem Restaurant. Leider war die nahe Küstenstraße nicht zu überhören. Aber das Baden machte hier besonders viel Spaß. Die Wassertemperatur lag immer noch bei 28°C. Einmal schwamm ungefähr zwei Meter vor mir im glasklaren Wasser ein etwa 50 cm großes Brett, meinte ich jedenfalls. Plötzlich hob das 'Brett' einen Kopf hoch und schaute mich ganz interessiert an. Das war meine erste Begegnung mit einer Schildkröte im Wasser. Leider tauchte sie nach kurzer Zeit wieder weg.

Nach 3 Tagen folgten wir der D400 weiter nach Westen, eine sehr gebirgige Strecke mit vielen Kurven und Steigungen, aber auch vielen Baustellen zum vierspurigen Ausbau, die aber den fließenden Verkehr nicht behinderten. In Küstennähe werden besonders Bananen angebaut. Es wimmelte von hohen Treibhäusern.

Unser Ziel war Anamur. Der CP Pullu gefiel uns nicht wegen des Lärms der nahen Straße. Der CP Dragon Motel lag da günstiger, hatte größere Stellplätze und schönen Meerblick (N 36°4'50.7'': E 32°53'28.8''). Außerdem liegt er neben der Burg Mamure Kalesi. Der freundliche Besitzer dirigierte uns zwischen den Bäumen durch und wir verließen uns auf seine Ortskenntnis. Ein Fehler! Denn plötzlich steckte der Flair von Heinz und Helga im Sand fest. Da half auch viel Gebuddel nichts, er musste rausgezogen werden. Der benachbarte Campingplatz Paradies machte auch keinen schlechten Eindruck, hatte Rasen als Untergrund, dafür aber mehr Mücken.

Direkt vor uns befand sich ein langer Schildkrötenstrand, wo die Carettas ihre Eier einbuddeln. Viele Nester waren zum Schutz extra gekennzeicnet. Jetzt war die Zeit des Ausschlüpfens. Wir sahen auch deutliche Spuren von kleinen Schildköten, die in der Nacht vorher zum Wasser gelaufen waren. Wir wollten nachts welche beobachten, aber trotz größter Vorsicht und Aufmerksamkeit gelang uns das nicht. Schade!

Nach drei Tagen fuhren wir zur antiken Stadt Anamurium, deren Ruinen wunderschön am Berghang zum Meer hin liegen. Unter dem Schutz einer dünnen Kiesschicht findet man dort noch einige beeindruckende Mosaiken. Zum Glück hatten wir einen kleinen, weichen Besen mitgenommen.

Um Anamur gehen die großen Bananentreibhäuser in Freilandbananenanbau über. Und natürlich werden an den Straßenrändern massenhaft diese wohlschmeckenden, kleineren, als wir es gewohnt sind, Bananen verkauft.

Dann folgte der Moloch Alanya, schon 20 km vorher ein hohes Hotel dicht neben dem anderen, meistens direkt an der vielbefahrenen vierspurigen Küstenstraße. Nun traf es uns! In unserem ganzen Camperleben seit 1980 der 1. Unfall im Ausland! Wir standen friedlich vor einer roten Ampel, als wir hinter uns erst ein scharfes Bremsgeräusch hörten und dann krachte es auch schon. Ein junger Motorradfahrer, der geade einen Monat den Führerschein besaß, hatte unser 'unauffälliges' Fahrzeug wohl erst übersehen und dann nicht mehr rechtzeitig bremsen können. Ihm und seinem Sozius war zum Glück außer Abschürfungen nichts passiert, aber an der GFK-Rückwand unseres Womos sind unten links auf den zweiten Bick deutliche, aber nicht fahrthinderliche Spuren zu sehen. Ein Angestellter eines benachbarten Hotels rief die Polizei, welche aber wegen fehlenden Personenschadens kein Protokoll aufnehmen wollte, sondern uns nur eine Schadensmeldung für die Versicherung in die Hand drückte. Die füllten wir und der ganz kleinlaute Jugendliche dann mit Hilfe des Türken aus und lassen nun nach etlichen tel. Informationsgesprächen alles über die Rechtschutzversicherung laufen. Wir sind froh, dass nur so wenig passiert ist.

Danach nahmen wir unser Tagesziel, den Burgberg von Alanya in Angriff, wo man einem Tipp zufolge gut mit herrlicher Aussicht übernachten könnte. Allen Unkenrufen zum Trotz, die steile, schmale und mit sehr engen Kurven gesegnete Auffahrt ist mit Womos zu schaffen, obwohl entgegenkommende Busse zum Albtraum werden können. Wer das auch mal probieren will, sollte aber die Auffahrt nicht gleich beim ersten Hinweisschild in der Altstadt beginnen, wie es die Navis möchten, sondern weiter im Westen. Sonst wird man wie wir per Navi in eine Einbahnstraße gejagt (Türken sind da ganz geduldig, im Ernst!) oder man muss eine gesperrte Straße durchqueren, wie unsere Freunde. Wir sind aber alle oben heil angekommen und haben am Straßenrand einen Parkplatz mit wunderbarer Aussicht über Alanya gefunden. Nur fanden das leider viele Jugendliche auch, die sich dort oben trafen, Efes (das gute türk. Bier) tranken, viel und laut redeten und noch lautere Autoradiomusik hörten. Sie waren auch ganz nett, drehten freundlich angespochen sofort die Musik leiser oder fuhren weg. Kaum war der Platz frei, kamen schon die nächsten jungen Leute usw. usw. Das war wohl nichts, außer einer wichtigen Erfahrung! Glücklicherweise hatten wir eine schöne Abwechslung, weil wir hier wieder fernsehen konnten. Ab hier hatten wir über den Satellit Hotbird wieder Empfang, wenn auch nur wenige deutsche Sender, leider nicht das ERSTE. Auch bei Helligkeit am nächsten Morgen war die Aussicht übrigens sehr schön!

Der nächste Tag führte uns weiter nach Westen (D400) zum kleinen Campingplatz Nostalgie in Kizelot etwa 20 km vor Side. Unterwegs wieder viele Bananenplantagen und ansonsten die Küste mit Hotels zugepflastert wie in Südspanien. nur die Moscheen sieht man woanders nicht. Der CP liegt am Meer mit feinem Strand und Strandliegen, ist gepflegt und hat WLAN. Eigentlich gefiel uns der Platz ganz gut, zumal die schweiz. Pächterin Verena sehr bemüht ist. Er aber hat eine entscheidende Macke, am Pool der Nachbarpension Pelin direkt nebenan wird den ganzen Tag bis 22.30 Uhr sehr laute Discomusik abgespielt, auch wenn sich dort überhaupt keine Gäste befinden. Reine Schikane und nicht zum Aushalten. Verschiedene Polizeieinsätze haben nicht gefruchtet, jetzt haben die Nachbarn eine Klage vor Gericht angestrengt. Verena gibt trotz etlicher Investitionen Ende des Jahres auf. Ob der türk. Besitzer den CP weiterführt, ist sehr fraglich. Nach 2 Tagen gaben wir auf und fuhren weiter nach Side, um dort die Altstadt zu besichtigen. Uns hat das Städtchen gefallen, eine einzigartige Mischung aus Freilichtmuseum mit vielen antiken Ruinen und Basarmeile, zum Bummeln sehr abwechslungsreich!

3 x Altstadt von SideLeckerer, nicht mehr ganz vollständiger Vorspeisenteller im Restaurant Emir

Weiter ging es nach Aspendos, dem besterhaltenen röm. Amphitheater Kleinasiens. Es bot früher etwa 20000 Zuschauern Platz. Dort hatten wir wieder mit lauter Musik zu tun, aber ganz anderer Art. Wir stellten nämlich fest, dass an diesem Abend die letzte Veranstaltung des jährlichen Aspendos- Festivals lief, die Carmina Burana von Carl Orff. Und wir bekamen tatsächlich noch Karten (Gute Plätze für 5 €!!). So ein Konzert in diesem Rahmen ist einfach ein Traum !! Die sehr steilen Steinsitzreihen waren mit bunten Kissen belegt und Orchester und Chor mit jeweils ungefähr 60 Beteiligten verzauberten mit ihrem Können und durch die hervorragende Akkustik des im 2. Jh. n. Chr. erbauten Gebäudes. Das war ein echtes Highlight unserer Türkeireise! Übernachten konnten wir dann auf dem großen Parkplatz direkt vor dem Theater.

Amphitheater in Aspendos bei Tagund bei abendlichem Konzert

Am nächsten Tag brachen wir nach Antalya auf. Dort gibt es einen großen Parkplatz am Atatürkstadion, wo Wohnmobile auch über Nacht stehen können. (N 36°52'46.4''; E 30°42'32.2, WC, rund 5 €) Der Platz ist nicht ganz ruhig, liegt aber direkt am Rande der Altstadt. Wir bummelten durch die Altstadt und besonders durch die Straßen, wo nicht soviel Touristenrummel herrscht. Diese Ecke ist wirklich sehenswert! Den gelungenen Abschluss dieses Tages bildete ein leckeres Essen zu Gerds Geburtstag in dem empfehlenswerten Restaurant Hasanaga in der Nähe des Uhrturmes.

Alter Hafen, jetzt nur noch für AusflugsbooteGeburtstagsessen

Das war auch Großstadt genug, uns zog es wieder ans Wasser. Nach Einkäufen bei 5M Migros, einem riesigen Supermarkt, fandeten wir in Beldibi nach unserem früher besuchten CP. Nichts mehr, nur Hotelburgen, teilweise vom Feinsten. Auffallend auch die viele Werbung in Russisch. Auch der CP bei Göynük existiert schon lange nicht mehr. Aber kurz vor Göynük fanden wir den Picknickplatz Göynük Cadirli Camp Alanik (N 36°40'48.3''; E 30° 34'13.5'', schöne Lage am Meer mit glasklarem Wasser und Schatten, aber ohne VE und mit deutlich hörbarem Verkehrslärm).

Am Kieselstrand von GöynükStrandbewohner

21. - 26. September 2012

Der Superstrand von Cirali war unser nächstes Ziel. Inzwischen ist die Bucht von Cirali zwar fast vollständig bebaut, aber gar nicht auffällig. Nach wie vor gibt es keine Gebäude mit mehreren Stockwerken und die Hotels und Pensionen verstecken sich fast in den vielen üppigen Gärten. Und auch an diesem Strand legen Meeresschildkröten ihre Eier ab. Im Osten des tollen Strandes können Womos frei stehen (N 36°25'15.4''; E 30°28'59.7'', Wasserpumpe beim nahen Sportplatz, leider keine Stranddusche) Weil das Gelände so groß ist, trafen wir hier auch noch andere Deutsche, u.a. Hans und Eva aus der Nähe von Pirmasens, die mit Heinz und Helga eine Wanderung zu den Flammen von Chimaira machten. Da wir dort schon früher waren, ersparten wir uns den schweißtreibenden Aufstieg. Es ist schon ein lohnendes Erlebnis, diese ewigen Flammen zu beobachten, die ständig durch aus Felsspalten entströmendes Gas genährt werden.

Womostellplatz in Cirali Helga und Heinz bei den ewigen Flammen Am nächsten Tag zogen wir zu sechst den Strand entlang und wanderten zu den Ruinen des antiken Olympos, heute teilweise unter üppigem Grün versteckt und schon wegen der Kombination von Wasser, Grün und alten Steinen einfach faszinierend. Und dann backten Helga und Heinz für Gerd im Grill einen Butterkuchen nachträglich zu seinem Geburtstag. Schmeckte sehr gut!

Altes Tier bei alten Steinen 

Der Stellplatz Cirali ist wirklich kaum zu toppen. Außerdem lagen die Tagestemperaturen immer noch über 30°C, deutlich höher als sonst um diese Jahrezeit. Wir fühlten uns pudelwohl! Eigentlich dürfte man diese Ecke gar nicht beschreiben, damit sie nicht überlaufen wird. Aber wir freuen uns ja auch immer über Tipps von anderen Reisemobilisten. Und einen sehr guten Tipp erhielten wir auch dort und setzten ihn sofort um.

Wir fuhren die D400 eine kurze Strecke weiter bis Kumluca, bogen dort nach Mavikent ab und rollten nach diesem Ort noch 5 km östlich weiter zu einem staatl. Picknickplatz am Meer in einer wunderschönen, von Felsen eingerahmten Bucht mit Schattenbäumen und Bänken. Das war nun absolute Spitze: glasklares Wasser, Wasserhähne, WC. Stranddusche, kostenlos, N 36°16'45.4'': E 30°23'34.6''. Und überhaupt kein Lärm, weder laute Musik, noch Verkehrslärm, noch Muezzin, noch krähende Hähne, das hatten wir noch nie hier. Kann Faulsein herrlich sein! Baden, Lesen, Boule und Unospiel zu sechst. Außerdem brachte uns der Besitzer eines stationären Miniverkaufswagens Brot aus einem Nachbarort mit. Die arbeitende Bevölkerung möge uns das Schwärmen verzeihen.

27. September - 6. Oktober 2012

Jetzt ging es wieder weiter, über Finike, Kale durch ein Gebiet mit sehr vielen Gemüsetreibhäusern zu dem kleinen Hafenort Ücagiz. Auf dem Hafenparkplatz konnten wir auch über Nacht stehen, nicht schön, aber praktisch. Bis zu Hassan, dem 'weltbesten' Koch waren es nur wenige Schritte und so bekamen wir ein vorzügliches Abendessen mit sehr leckeren Garnelenspießen. Sinnigerweise bezeichnet sich sein Nachbar als 'bester Koch weit und breit'. Hassan organisierte für uns auch eine dreistündige Bootstour am nächsten Tag für 4 Personen rund 50 €. Das schien günstig zu sein.

Unser Kapitän Rambo war pünktlich zur Stelle und schipperte uns an dem Dorf Simena, welches keine Straßenverbindung hat, vorbei zu den teilweise unter Wasser liegenden Ruinen von Kekova, da die Küste hier im Laufe der Jahrtausende abgesunken war. Die Fahrt mit Rambo machte uns viel Spaß, besonders, als er während einer Schwimmpause einen Rettungsring zu Wasser ließ, worauf sich eine Platte mit Melonenstücken befand: Picknick im Wasser!

Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Kas, mussten dann aber feststellen, dass der Campingplatz dort von einer Reisegruppe belegt war. Auf dem Hafenparkplatz war es zu laut, aber an der Engstelle zur Halbinsel bei Kas gibt es eine Stellmöglichkeit für wenige Womos mit VE, Dusche und 2 Stränden. Das passte und wir legten wieder eine Badepause ein. Außerdem bummelten wir durch die Gassen der hübschen Altstadt und besuchten den Freitagsmarkt.

Unser weiterer Weg nach Westen führte uns anschließend zu den Ruinen von Xanthos, einem UNESCO-Weltkulturerbe. Das Ausgrabungsgelände beherbergt Ruinen aus lykischer, hellinistischer, römischer und byzantinischer Zeit. Seine Berühmtheit verdankt das Ruinengelände vorrangig einigen Pfeilersarkophagen. Die sind wirklich beeindruckend. Geärgert hat uns aber, dass die zweite Attraktion, nämlich die schönen Mosaiken der Basilika unzugänglich abgedeckt worden waren, was aber bei Bezahlung des Eintrittspreises nicht erwähnt wurde.

Xanthos: Theater, röm. Grabturm, Pfeilersakophag als Doppelgrabmal,HarpyienmonumentAusschnitt vom Pfeilersarkophag

Das nächste Ziel war die Schlucht von Saklikent. Hier waren wir auch schon vor 10 Jahren, aber sie ist einfach umwerfend, so dass man gar nicht genug sehen kann. Leider wissen das auch andere Leute, so hat sich der Touristenbetrieb merklich gesteigert. Wir standen gut auf dem CP des Gorge Clubs am Fluss direkt vor dem Schluchteingang mit Strom, Warmdusche und WLAN für rund 10 € ( N 36°28''23.8''; E 29°24'11.9''). Außerdem werden hier, genau wie in Cirali, Baumhäuser an Urlauber vermietet. Am Abend aßen wir dort leckere Forellen mit Nachbarcampern aus Wuppertal. Auf dem großen Parkplatz auf der anderen Seite des Flussses kann man auch gut übernachten, sogar kostenlos. Am nächsten Tag wanderten wir in die schmale Schlucht mit bis zu 300m hohen, steilen Seitenwänden hinein, die ersten 200m auf Stegen, aber dann nur noch durch Wasser, Heinz und ich sogar bis zum Wasserfall, keine ganz einfache Leistung bei den vielen Stromschnellen und unebenem Untergund, den man im trüben Bergwasser nicht erkennen, sondern nur mit den Füßen ertasten konnte. Das Wasser selbst machte keine Probleme, da ich mit Badanzug vorgesorgt hatte, aber ich hatte Angst, dass der Fotoapparat nass werden könnte, so dass ich ihn öfter mit dem Mund transportierte, um mich mit beiden Händen sicherer abstützen zu können. Die Umgebung ließ richtig Glücksgefühle aufkommen. Die Fotos drücken das sicher besser aus.

Am Abend gab es ein Gewitter mit heftigem Regen. Als Heinz und Helga am nächsten Morgen noch einmal die gleiche Tour durch die Schlucht machten, war der Wasserspiegel um 10 cm gestiegen. Das erwies sich besonders beim Klettern durch die Stromschnellen wegen der nun viel stärkeren Strömung als viel anstrengender und zeitaufwendiger.

Der weitere Weg führte uns nach Fethiye zum Hafenparkplatz beim Obelisk. Dieser P ist eigentlich ungünstig für Womos, weil wir gleich 3 kleine Parkflächen brauchten. Aber die Parkwächter waren sehr freundlich und obwohl der P gefüllt war, hatten wir nach einer Stunde entsprechenden Platz und konnten dort für 4 € ruhig und mit schönem Ausblick übernachten. Die Umgestaltung der Hafenfront ist fast fertig und ganz schön geworden mit Grünanlagen und vielen Bänken. Die Altstadt war nur wenige Schritte entfernt und so machten wir einen gemütlichen Bummel durch die Altstadt Fethiyes. Ein Highlight bildet der Fischmarkt. Dort kauften wir ein und ließen den Fisch in einem der Restaurants zubereiten, Das kostete einschließlich Brot, Kräuterbutter und gemischtem Salat 3 € pro Person. Und geschmeckt hat es einfach köstlich!

Lykischer Steinsarkophag, auch Schiffssarkophag genannt, weil das Dach einem gekenterten Schiff gleicht

Nun wollten wir eine gemütlich Badepause am Strand der Lagune von Ölüdeniz einlegen. Zieren doch Bilder davon Reiseführer und Türkeiwerbeplakate. So ein Reinfall! Die Strecke von Fethiye bis Ölüdeniz ist inzwischen fast völlig zugebaut, wo wir noch eine schmale Straße durch Wälder in Erinnerung hatten. Verschwunden sind die kleinen gemütlichen Campingplätze hinter der Lagune. Dafür gibt es Campmöglichkeiten bei großen lauten Strandbars mit langem Fußweg zum Traumstrand. Wir flüchteten und übernachteten 20 km westlich von Fethiye in der Bucht von Katranci. Das ist ein einfaches früheres Orman Camp, jetzt allerdings mit normalen Campingplatzpreisen. Aber der Platz hat einen sehr schönen Strand und ist in der Nebensaison sehr ruhig.

Anschließend wollten wir noch etwas Besonderes für unsere Gesundheit tun. Deshalb fuhren wir zum Thermalbad Sultaniye am westlichen Ufer des Köycegiz-Sees. Dort gibt es ein Schlammbad und 4 andere Becken, u.a. eins mit sehr heißem Wasser, alle gespeist von leicht schwefelhaltigem Quellwasser. Der Schlamm ist nützlich gegen alle möglichen Beschwerden, man muss nur daran glauben. Hier sollen schon die Römer Heilbäder genommen haben. Eigene Erfahrung: Gegen Cellulite hilft der Schlamm wohl nicht. Auf jeden Fall hat es viel Spaß gemacht, auch wenn der Schlamm trotz fleißigem Duschen sehr anhänglich war, so dass ein anschließender Sprung in den See doppelte Gründe hatte.

Danach ging es weiter über den Berg durch dichte Kiefernwälder zum Meer in die Bucht von Ekincik. Dort fanden wir einen kommunalen Picknickplatz mit Campingmöglichkeit direkt am Strand ( ca. 10 €, VE, Stranddusche, Strom, N 36°49'49.7''; E 28°32'55.5''). Hier gibt es viel Ruhe und Landschaft und gar keinen Rummel. Das hatten wir uns gewünscht.

Dies war nun der erste Tag, an dem in der Mittagszeit das Thermoter unter 30°C im Schatten blieb.

Bucht von Ekincik, Stellplatz rechtsAlaska Highway oder Binnenlandsvegen in Schweden?

Nein, Straße nach Ekincik

Weiterlesen: Türkei 2012 Teil 3